Legendärer Karnevalskünstler Hans Süper mit seiner Flitsch bei einer Bühnenshow.
Es gibt Menschen, die so eng mit einer Stadt verbunden sind, dass sie zu einem Teil ihrer Identität werden. In Köln gehört Hans Süper zweifellos zu diesen Persönlichkeiten. Wer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Karneval im Rheinland erlebt hat, kennt sein Gesicht, seinen Schnauzbart, seine runde Brille – und vor allem den Klang seiner Mandoline, von Süper „Flitsch“ genannt. Über viele Jahre stand er auf den Bühnen der Karnevalssitzungen, sang, scherzte und improvisierte, immer im Dialog mit seinem Publikum. Zusammen mit seinem Partner im Colonia Duett gehörte er zu den prägendsten Künstlern der kölschen Karnevalskultur. Zu seinem 90. Geburtstag erinnern wir an einen Künstler, der wie kaum ein anderer für den Humor und die Lebensfreude seiner Stadt stand.
Kindheit und Jugend nach dem Krieg
Hans Süper wurde am 15. März 1936 in Köln geboren, in einer Zeit, in der die politischen Spannungen der kommenden Kriegsjahre bereits spürbar waren. Seine Familie war musikalisch geprägt, denn sein Vater Hans Süper senior gehörte zur kölschen Gesangsgruppe Vier Botze, die in den 1930er- und 1940er-Jahren mit Liedern und humorvollen Darbietungen bekannt wurde. Damit wuchs der junge Hans in einem Umfeld auf, in dem Musik, Dialekt und Bühne selbstverständlich waren. Seine Kindheit wurde jedoch – wie die vieler Menschen seiner Generation – von Krieg und Nachkriegszeit überschattet. Köln lag nach den Bombardierungen in Trümmern, ganze Stadtviertel waren zerstört, und das öffentliche Leben musste langsam neu aufgebaut werden. In dieser schwierigen Zeit spielte Musik für viele Menschen eine besondere Rolle, weil sie Trost, Gemeinschaft und ein Stück Normalität bot.
Eine Geschichte aus dieser Zeit ist in der kölschen Karnevalsszene fast legendär geworden. Während seiner Kriegsgefangenschaft bastelte Hans Süper senior eine improvisierte Mandoline aus einer Holzkiste und einigen Saiten. Dieses provisorische Instrument brachte er später mit nach Hause. Für den jungen Hans wurde es zum Ausgangspunkt seiner musikalischen Laufbahn. Die Mandoline, von ihm liebevoll „Flitsch“ genannt, sollte ihn sein ganzes Leben begleiten und schließlich zu seinem Markenzeichen werden. Schon früh entwickelte er ein Gefühl für Musik, Rhythmus und Humor, das später seine Auftritte prägen sollte.
Die Lebensumstände der Nachkriegszeit beeinflussten auch seinen Bildungsweg. Hans Süper verließ die Schule bereits nach der sechsten Klasse und musste früh ins Berufsleben einsteigen. Später arbeitete er in ganz unterschiedlichen Jobs, die wenig mit Bühne und Unterhaltung zu tun hatten. Gerade dieser Alltag half ihm jedoch, ein Gespür für die kleinen Geschichten des täglichen Lebens zu entwickeln. Viele seiner späteren Witze handelten von ganz gewöhnlichen Situationen, von Kneipen, Nachbarn oder Familiengeschichten.

Erste Auftritte mit seinem Bruder als „Zwei Schnürreme“
Seine ersten Schritte auf der Bühne machte Hans Süper gemeinsam mit seinem Bruder Paul, genannt „Charly“, Süper. In den 1950er-Jahren traten die beiden als „Zwei Schnürreme“ auf, ein Name, typisch für den rheinischen Humor war. Die Brüder trugen Schnürriemen als Schmuck um den Hals und kombinierten Musik mit humorvollen Dialogen. Hans spielte meist Mandoline, während Charly oftmals das Akkordeon übernahm. Die Texte für ihre Auftritte schrieb häufig ihr Vater, der damit die musikalische Tradition der Familie fortsetzte. Diese frühen Auftritte fanden meist in kleinen Sälen, Vereinslokalen oder Kneipen statt und bildeten den Grundstein für Süpers spätere Karriere.
In dieser Zeit lernte Hans Süper auch den Musiker kennen, der später sein wichtigster Bühnenpartner werden sollte: Hans Zimmermann. Zimmermann trat damals gemeinsam mit seiner Schwester Gretchen als Geschwister Zimmermann auf. Beide Formationen begegneten sich regelmäßig bei Veranstaltungen im rheinischen Karneval. Noch konnte niemand ahnen, dass aus dieser Bekanntschaft Jahre später eines der erfolgreichsten Duos der Karnevalsgeschichte entstehen würde. Dennoch entwickelte sich bereits damals eine künstlerische Verbindung. Beide Musiker teilten ein ähnliches Gefühl für Rhythmus, Musik und den typisch kölschen Humor.
Interessanterweise entfernte sich Hans Süper nach der Zeit der „Zwei Schnürreme“ zunächst vom Karneval. Er interessierte sich für Jazz und Beatmusik und wollte musikalisch neue Wege gehen. Diese Phase zeigte, dass er nicht nur ein traditioneller Karnevalskünstler war, sondern ein vielseitiger Musiker mit großem Talent. Kollegen beschrieben ihn später als „supermusikalisch“ und lobten sein außergewöhnliches Timing. Gleichzeitig versuchte er damit, aus dem Schatten seines berühmten Vaters zu treten. Erst Jahre später sollte er wieder vollständig zur Karnevalsbühne zurückkehren.
Das Colonia Duett
Der entscheidende Wendepunkt kam Anfang der 1970er-Jahre, als Hans Süper und Hans Zimmermann gemeinsam das Colonia Duett gründeten. Das Konzept war im rheinischen Karneval bekannt: Zwei Künstler stehen nebeneinander, spielen Musik und liefern sich humorvolle Dialoge. Doch Süper und Zimmermann entwickelten daraus etwas ganz Eigenes. Zimmermann spielte den ruhigen Gitarristen und Stichwortgeber, während Süper mit seiner Mandoline und seinem trockenen Humor den Mittelpunkt bildete. Ein Running Gag wurde besonders berühmt, denn Süper bezeichnete seinen Partner immer wieder als „Du Ei“ – eine Anspielung auf seinen kahlen Kopf Das Publikum wartete oft schon gespannt auf diesen Moment, der zu einem Markenzeichen des Duos wurde.
In den späten 1970er- und 1980er-Jahren gehörte das Colonia Duett zu den erfolgreichsten Karnevalsnummern überhaupt. Sie traten in großen Sälen, Vereinsheimen, Festzelten und traditionellen Veranstaltungsorten wie dem Gürzenich in Köln auf. Besonders bekannt wurden sie durch die Fernsehübertragungen des WDR, die ein Millionenpublikum erreichten. In manchen Jahren absolvierte das Duo mehrere hundert Auftritte während einer einzigen Session. Trotz dieses enormen Programms blieb ihre Darbietung lebendig und spontan. Ein Grund dafür war Süpers Fähigkeit zur Improvisation, denn kein Auftritt war völlig identisch.
Die Mandoline, die „Flitsch“, wurde zum Symbol seiner Kunst. Sobald Süper das Instrument in die Hand nahm, wusste das Publikum, dass ein Lied oder eine Pointe folgen würde. Die Flitsch war dabei mehr als nur ein Musikinstrument, denn sie war auch ein dramaturgisches Werkzeug. Süper konnte mitten im Gespräch ein paar Töne anschlagen, ein Lied beginnen oder mit einer Melodie eine Pointe vorbereiten. Musik und Humor gingen dabei nahtlos ineinander über. Genau diese Mischung machte seinen Stil im Karneval einzigartig.
Die Trennung – Köln weint

Nach mehr als fünfzehn gemeinsamen Jahren trennten sich Süper und Zimmermann Anfang der 1990er-Jahre. Die Gründe lagen vor allem in künstlerischen Differenzen, was für das Publikum überraschend kam. Doch Hans Süper wollte weiterhin auf der Bühne stehen. Gemeinsam mit dem Musiker Werner Keppel gründete er das Süper Duett. Auch in dieser neuen Formation blieb die Flitsch das zentrale Element seiner Auftritte. Sein Humor wurde etwas moderner, doch seine Kunst blieb fest im kölschen Dialekt verwurzelt.
Der Abschied von der Karnevalsbühne
Im Jahr 2002 verabschiedete sich Hans Süper offiziell von der Karnevalsbühne. Sein Abschied wurde mit einer großen Veranstaltung im Gürzenich gefeiert, einem der traditionsreichsten Orte der kölschen Karnevalsgeschichte. Ganz verschwunden war er jedoch nie, denn bei besonderen Anlässen trat er noch gelegentlich auf. Auch in Interviews erzählte er immer wieder von seinem Leben auf der Bühne. Für viele Kölner blieb er ein vertrauter Teil ihrer Karnevalserinnerungen. Sein Humor und seine Musik hatten sich tief in das kulturelle Gedächtnis der Stadt eingeschrieben.
Das Vermächtnis
Am 3. Dezember 2022 starb Hans Süper im Alter von 86 Jahren in Köln. Sein Tod löste in der Karnevalsszene große Trauer aus, denn viele Künstler betrachteten ihn als Vorbild und Wegbereiter. Zwei Jahre später wurde ihm im Stadtteil Sülz ein Denkmal gesetzt. Die Statue zeigt ihn so, wie ihn viele Menschen in Erinnerung haben: mit Hut, Brille, Schnauzbart und natürlich mit seiner Flitsch. Auch heute werden seine Auftritte im Fernsehen wiederholt, und viele seiner Witze sind längst Teil der Karnevalsgeschichte geworden. Vielleicht liegt genau darin sein größtes Vermächtnis, denn Hans Süper zeigte, dass Humor manchmal ganz leise beginnt und gerade deshalb lange in Erinnerung bleibt. In Köln sagt man deshalb bis heute:
Hans Süper war nicht nur ein Künstler – er war ein Stück Köln.
Weitere bekannte Karnevalskünstler:“
- Marita Köllner
- Hans Zimmermann
- Weltenbummler Gerd Rück
- Kölsche Schutzmann Jupp Menth
- Colonia Duett
- Die 2 Schlawiner