Das noch junge organisierte Kölner Festkomitee erfindet 1824 eine kunstvolle Geschichte, um den Kölner Karneval mit dem berühmten venezianischen Karneval zu verbinden: Die Karnevalsfürstin Venetia aus Venedig soll, eingenommen von den Berichten ihres Gesandten Graf Geniosottile über den Helden Carneval, zu diesem reisen. Ab dem 6. Februar 1824 berichtet die Kölnische Zeitung über die bevorstehende Ankunft der Fürstin, tags darauf wird der 29. Februar 1824 – der Jahrestag der Thronbesteigung des Helden – als Ankunftstermin genannt. Zeitweise glauben viele Kölner sogar an die reale Existenz der Fürstin.
Am Fastnachtssonntag durchfährt Venetia tatsächlich in einem sechsspännigen Wagen das reich geschmückte Severinstor; die Stadt ist trotz Tageslichts illuminiert. Am folgenden Fastnachtsmontag ziehen zunächst zwei getrennte Züge – der „nordische“ mit dem Helden Carneval und der „südliche“ mit Venetia – zum Neumarkt, wo beide Hoheiten Orden tauschen und der alte Kölner Bannerrat ihnen Ehrenwein kredenzt. Anschließend vereinigen sich die Züge; vierzehn rote Funken unter ihrem Kommandanten Künnigsfeld nehmen ebenso teil wie das Kölner „Hänneschen“.
Am Abend eröffnen der Held und Venetia im großen Saal des Gürzenich den ersten Tanz eines Maskenballs – der Beginn des traditionsreichen Montagsfestballs. Den Helden verkörpert der Kölnisch-Wasser-Fabrikant Emanuel Ciolina Zanoli, der die Rolle bis 1830 innehat; die Fürstin Venetia stellt über mehrere Jahre der Bankier Simon Oppenheim dar.