Einer der acht regimekritischen Wagenentwürfe aus der illegalen Rosenmontagszeitung der KPD, 1938
Dokumentierte Fälle von offener Verweigerung gegenüber antisemitischen oder NS-propagandistischen Zugwagen sind aus dem Kölner Karneval kaum überliefert. Eine nachweisbare Ausnahme ist eine illegal hergestellte, satirische Version der offiziellen Kölner Rosenmontagszeitung, verbreitet unter dem Titel „Einzige offizielle Festschrift für den Karneval 1938“ – herausgegeben nicht von Karnevalisten, sondern von Mitgliedern der verbotenen KPD.
Die Schrift übt scharfe Kritik am NS-System und karikiert Joseph Goebbels auf dem Titelblatt als vermeintlichen Karnevalsprinzen. Sie enthält acht alternative, bissige Wagenentwürfe des nach Belgien emigrierten Düsseldorfer Künstlers Karl Schleswig, der die Zeitung gemeinsam mit Otto Niebergall gestaltete. Einer der Entwürfe zeigt unter dem Prinzenkostüm die Allegorie des Krieges vor brennenden deutschen Städten, begleitet von Witwen und Waisen – eine unverhohlene Warnung vor den Kriegsfolgen der NS-Politik.