Ferdi Huick († 2006)
Mit kräftiger Stimme, gereimten Pointen und seinem unverwechselbaren Schlussvers wurde Ferdi Huick zu einem der bekanntesten Büttenredner seiner Generation. Als „Bergischer Landbote“ brachte er das ländliche Leben des Oberbergischen auf die großen Karnevalsbühnen. Über viele Jahre gehörte er zum festen Programm der Kölner Sitzungen sowie der Karnevalssendungen in Rundfunk und Fernsehen.
Ferdi Huick wurde am 2. Mai 1940 in Düsseldorf geboren. Er starb am 6. April 2006 im Alter von 65 Jahren in Wilkenroth bei Waldbröl.
Vom Dreher zum Büttenredner
Huick erlernte zunächst den Beruf des Drehers. Seine eigentliche Leidenschaft galt jedoch schon früh dem Karneval. Die ersten Bühnenerfahrungen sammelte er in Düsseldorf, wo er unter anderem als „Vater Rhein“ auftrat und Mitglied der Karnevalsgesellschaft Wibbelstätz war.
Im Laufe seiner Karriere probierte Huick verschiedene Bühnenfiguren aus. Er stand als Bundeswehrsoldat und als Tippelbruder in der Bütt, bevor er jene Rolle entwickelte, die ihn schließlich im gesamten Rheinland bekannt machte: den „Bergischen Landboten“.
Seine persönliche Verbindung zum Oberbergischen war dabei keineswegs nur gespielt. Huick lebte in Wilkenroth, einer Ortschaft der Stadt Waldbröl. Bereits in der Session 1979/1980 hatte er als „Prinz Ferdi I.“ die Waldbröler Jecken regiert.
Der Durchbruch in Köln
Ein wichtiger Schritt in Huicks Karriere erfolgte 1983, als er bei der renommierten Kölner Karnevalsgesellschaft Muuzemändelcher aufgenommen wurde. Damit öffneten sich ihm die Türen zu den großen Sitzungen der Domstadt.
Der Wechsel nach Köln war für den gebürtigen Düsseldorfer durchaus bemerkenswert. Im Karneval werden die Rivalität und die unterschiedlichen Traditionen beider Städte gerne betont. Huick gelang es jedoch, diese Grenzen zu überwinden. Als Vertreter des Bergischen Landes besaß seine Figur ohnehin eine eigene regionale Identität.
Mit dem „Bergischen Landboten“ hatte er schließlich die passende Rolle gefunden. Der Landbote trat wie ein Überbringer von Neuigkeiten aus einer vermeintlich überschaubaren, ländlichen Welt auf. Seine Geschichten handelten von menschlichen Eigenarten, alltäglichen Missgeschicken und den kleinen Widersprüchen des Lebens. Huick verband dabei die Perspektive des Oberbergischen mit der klassischen Form der gereimten Büttenrede.
Humor, der ein zuhörendes Publikum verlangte
Ferdi Huick gehörte zur alten Schule der Typenredner. Er benötigte weder aufwendige Bühnentechnik noch Musik und Tanz. Im Mittelpunkt standen die Figur, die Sprache und der genau gesetzte Vortrag. Seine Pointen entwickelten sich aus den erzählten Geschichten und aus der besonderen Sichtweise des Landboten.
Ein solcher Vortrag verlangte Aufmerksamkeit. Bei einem seiner Auftritte im Januar 2006 wurde ausdrücklich das Publikum hervorgehoben, das noch zuhören konnte. Diese Bemerkung beschreibt zugleich, was Huicks Kunst auszeichnete: Seine Reden waren keine bloße Folge kurzer Witze. Sie lebten von Aufbau, Rhythmus und wiederkehrenden sprachlichen Bildern.
Über das Bergische und seine Bewohner konnte Huick liebevoll spotten, ohne sie bloßzustellen. Seine Bühnenfigur vermittelte Bodenständigkeit und eine gewisse Bauernschläue. Der Landbote betrachtete die vermeintlich große Welt aus einer dörflichen Perspektive – und entdeckte dabei häufig, dass es in der Stadt nicht vernünftiger zuging als auf dem Land.
Ein Schlussvers als Markenzeichen
Besonders bekannt wurde der Schluss seiner Büttenreden. Huick verabschiedete sich regelmäßig mit einem längeren Vers über eine Kuh im Stall, singende Landfrauen und einen Hahn auf dem Misthaufen. Die abschließende Zeile wurde zu seinem persönlichen Erkennungszeichen:
„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann weißt du, dass du im Bergischen bist.“
Das Publikum kannte diese Worte und wartete auf sie. Damit besaß Huick etwas, das für einen erfolgreichen Typenredner von großer Bedeutung war: einen unverwechselbaren Abschluss, bei dem die gesamte Bühnenfigur noch einmal auf einen einzigen Satz verdichtet wurde.
Bekannt durch Rundfunk und Fernsehen
Seine Erfolge in den Karnevalssälen führten Huick auch in die großen Rundfunk- und Fernsehsendungen. In der traditionellen WDR-Fernsehsitzung „Karneval in Köln“ trat er zwischen 1994 und 2005 als „Bergischer Landbote“ auf. Damit wurde seine Figur weit über Köln und das Bergische Land hinaus bekannt.
Neben Fernsehaufzeichnungen entstanden auch Rundfunkmitschnitte seiner Vorträge. Huick gehörte zu den Rednern, die noch ein Millionenpublikum erreichten, als die klassische Büttenrede einen besonders hohen Stellenwert in den großen Karnevalssendungen besaß.
Im Jahr 2006 wurde er in der ZDF-Sendung „Karnevalissimo“ mit dem „Hätz vun Kölle“ ausgezeichnet. Die Ehrung würdigte seine Verdienste um den Kölner Karneval und seine langjährige Arbeit als Redner.
Abschied von einem der großen Redner
Noch im Januar 2006 stand Ferdi Huick bei Kölner Karnevalssitzungen auf der Bühne. Nur wenige Wochen nach dem Ende der Session starb er am 6. April in seinem Haus in Wilkenroth. Der offizielle Kölner Narrenspiegel würdigte ihn anschließend als einen der großen Redner, die der Kölner Karneval verloren hatte.
Huicks Tod bedeutete zugleich den Abschied von einer prägenden Bühnenfigur. Der „Bergische Landbote“ war eng mit seiner Person, seiner Stimme und seinem Vortrag verbunden. Anders als ein Lied konnte diese Rolle nicht einfach von einem anderen Künstler übernommen werden.
Sein Platz in der Karnevalsgeschichte
Ferdi Huick steht beispielhaft für die klassische Kunst des rheinischen Büttenredners. Er entwickelte über mehrere Stationen eine eigenständige Figur, blieb ihr über viele Jahre treu und machte sie durch Sprache und Haltung unverwechselbar.
Dabei verband er drei Regionen: Geboren in Düsseldorf, im Oberbergischen zu Hause und auf den Kölner Bühnen erfolgreich, wurde er zu einem echten rheinischen Karnevalisten. Sein „Bergischer Landbote“ gab dem ländlichen Raum eine weithin hörbare Stimme – humorvoll, bodenständig und mit einem Schlussvers, den viele Karnevalsfreunde bis heute auswendig kennen.