Die Kölsche Adler waren über viele Jahre eine markante Erscheinung im Kölner Karneval. Während zahlreiche Karnevalsgruppen mit vergleichsweise kleiner Besetzung auftraten, setzten die Adler auf den Klang einer vollständigen Liveband. Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Akkordeon wurden durch Trompete, Posaune und Saxofon ergänzt. Gerade dieser kräftige Bläsersatz entwickelte sich zu einem besonderen Kennzeichen der Gruppe.
Musikalisch verbanden die Kölsche Adler traditionelle kölsche Klänge mit Pop, Rock, Jazz, Country, Polka und moderner Unterhaltungsmusik. Dadurch entstand ein abwechslungsreicher Sound, der sowohl zu klassischen Karnevalssitzungen als auch zu Stadtfesten, Konzerten und Veranstaltungen außerhalb der Session passte.
Musiker aus unterschiedlichen Stilrichtungen
Die Mitglieder der Kölsche Adler kamen aus verschiedenen musikalischen Bereichen. Einige waren durch Rock- und Popmusik geprägt, andere brachten Erfahrungen aus Jazz, Blasmusik oder klassischer Musikausbildung mit. Diese unterschiedlichen Hintergründe ermöglichten es der Band, traditionelle kölsche Lieder neu zu gestalten und gleichzeitig eigene zeitgemäße Titel zu entwickeln.
Eine frühere Darstellung der Gruppe nennt acht Musiker und hebt besonders den vollständigen Bläsersatz hervor. Neben eigenen Karnevalsliedern gehörten damals auch neu arrangierte Titel bekannter Gruppen wie der Bläck Fööss und der Paveier zum Repertoire. Zeitweise boten die Kölsche Adler außerdem besondere Programme für das Sommerhalbjahr und die Adventszeit an.
Damit verstanden sie sich nicht ausschließlich als Stimmungsband. Ihr Anspruch bestand darin, kölsche Musik handwerklich anspruchsvoll, vollständig live und mit einer großen stilistischen Bandbreite zu präsentieren.
Wechsel am Mikrofon
Wie bei vielen länger bestehenden Bands veränderte sich die Besetzung im Laufe der Jahre mehrfach. Im Jahr 2014 übernahm Timo Tiggeler den Gesang und löste den bisherigen Frontmann Markus Bätzgen ab. Tiggeler hatte zuvor bereits Bühnenerfahrung mit der Coverband Plutonium gesammelt und war 2013 unter den Kandidaten der zehnten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt geworden.
Zur damaligen achtköpfigen Besetzung gehörten außerdem Dirk Schnelle am Bass, Dave Joris an der Gitarre, Michael Sommer an Keyboard und Akkordeon, Markus Rosensträter am Schlagzeug sowie Jan-Hendrik Gehling, Christian Wefers und Markus Spillner an Trompete, Posaune und Saxofon.
In der Session 2016/2017 traten die Kölsche Adler in einer neu zusammengestellten siebenköpfigen Formation auf. Timo Tiggeler, Michael Sommer und Christian Wefers blieben dabei an Bord; hinzu kamen Tobias Jansen, Bernd Liffers, Stephan Jopen und Tamas Wippelhauser. Trotz der personellen Veränderungen blieb die Verbindung aus Rhythmusgruppe, kölschem Gesang und Bläserklang das musikalische Fundament.
Bekannte Lieder
Zu den frühen veröffentlichten Titeln der Gruppe gehört „Lange Naach“, das 2010 auf einer Zusammenstellung mit Karnevalshits der Session 2011 erschien. Es folgten unter anderem:
- „Wir sind wieder da“ aus dem Jahr 2012
- „Et Rhein-Panorama – Luur ens vun Düx noh Kölle“ aus dem Jahr 2013
- „Ne Daach wie hück“
- „Suppen-Rap“ aus dem Jahr 2015
- „Hätzschlag“
- „Schunkelblau“ aus dem Jahr 2019
- „Drissejal“ aus dem Jahr 2021
- „Ich waad op dich“ aus dem Jahr 2024
Die Titel zeigen die verschiedenen Seiten der Band. „Et Rhein-Panorama“ richtet den Blick von Deutz auf die Kölner Stadtsilhouette und verbindet Lokalpatriotismus mit einem eingängigen Refrain. „Suppen-Rap“ steht dagegen für die humorvolle und experimentierfreudige Seite der Musiker. „Hätzschlag“ und „Ich waad op dich“ schlagen gefühlvollere Töne an, während „Drissejal“ eine typisch kölsche Haltung zum Ausdruck bringt: Auch wenn nicht alles nach Plan läuft, geht das Leben weiter.
Eine Übersicht der veröffentlichten Aufnahmen zeigt, dass die Kölsche Adler über mehr als ein Jahrzehnt hinweg regelmäßig mit neuen Sessionstiteln vertreten waren.
Tradition in moderner Form
Das musikalische Konzept der Kölsche Adler bestand darin, das Kölner Brauchtum nicht lediglich zu bewahren, sondern zeitgemäß zu präsentieren. Alte musikalische Einflüsse wurden mit modernen Arrangements verbunden. Der ausgeprägte Bläsersatz verlieh den Liedern dabei eine besondere Dynamik und hob die Band von vielen kleineren Gesangsformationen ab.
Auf der Bühne konnten die Musiker sowohl druckvolle Karnevalstitel als auch ruhigere, gefühlvolle Lieder präsentieren. Ihre große Besetzung vermittelte den Eindruck eines kleinen Orchesters, ohne dass die Musik ihre direkte, publikumsnahe Wirkung verlor.
Aus den Kölsche Adlern wird Knallrut
Nach der Session 2024 begann ein neues Kapitel. Aus dem musikalischen Umfeld der Kölsche Adler entstand die Formation Knallrut. Dabei handelte es sich nicht nur um einen neuen Namen, sondern um eine bewusste künstlerische Neuausrichtung mit neuen Liedern, einem moderneren Sound und erstmals einer Frau am Mikrofon.
Mit Nina Berg erhielt die neue Band eine Frontsängerin. Gleichzeitig blieb ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Kölsche Adler erhalten: der kräftige Bläsersatz. Der offizielle Start von Knallrut erfolgte im Frühjahr 2025. Das Festkomitee Kölner Karneval beschreibt die neue Gruppe ausdrücklich als eine Formation, die nach der Session 2024 aus den Kölsche Adlern hervorgegangen ist.
Ein besonderes Kapitel der kölschen Musikszene
Die Kölsche Adler stehen für eine Phase des modernen Kölner Karnevals, in der traditionelle Mundartmusik mit professioneller Liveinstrumentierung und Einflüssen aus unterschiedlichen Stilrichtungen verbunden wurde. Ihre Lieder erzählten von Köln, Liebe, Lebensfreude und der typisch rheinischen Fähigkeit, auch schwierige Situationen mit Gelassenheit und Humor zu betrachten.
Unter dem Namen Kölsche Adler ist dieses Kapitel inzwischen abgeschlossen. Der musikalische Weg wird jedoch in veränderter Form durch Knallrut fortgesetzt. Damit bleiben die Erfahrung, die Spielfreude und vor allem der unverwechselbare Bläserklang der früheren Band ein Teil der aktuellen kölschen Musiklandschaft.