Kurt Lauterbach († 1993)

Kurt Lauterbach († 1993)

Kurt Lauterbach gehörte zu den unverwechselbaren Vortragskünstlern des rheinischen Karnevals. Sein Markenzeichen waren rasend schnelle Reden, absichtlich verdrehte Wörter und kunstvoll eingebaute Versprecher. Als „Schnell(ver)sprecher“ brachte er besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren die Kölner Säle zum Lachen.

Dabei war Lauterbach mehr als ein klassischer Büttenredner. Er war ausgebildeter Sänger, Schauspieler, Komiker und Entertainer. Diese vielseitige Bühnenerfahrung ermöglichte ihm eine Form des Sprachwitzes, bei der Stimme, Mimik, Geschwindigkeit und musikalisches Timing eng zusammenwirkten.

Vom Theater in die Bütt

Kurt Lauterbach wurde am 4. März 1920 in Leichlingen geboren. Nach seiner Militärzeit bei der Marine absolvierte er eine Gesangsausbildung. Anschließend bewarb er sich beim Solinger Theater, wo er als Tenorbuffo im komischen Fach auftrat.

Ein Tenorbuffo übernimmt in Operetten und musikalischen Bühnenstücken vor allem heitere und komische Rollen. Lauterbach lernte dort, wie man Pointen vorbereitet, mit der Stimme spielt und allein durch Haltung oder Gesichtsausdruck eine komische Wirkung erzielt.

Als das Solinger Theater geschlossen wurde, führte ihn sein Weg zunächst in den Düsseldorfer und schließlich in den Kölner Karneval. Dort entwickelte er sich zu einem der populärsten Vortragskünstler seiner Zeit.

Kunstvoll versprochen

Lauterbachs Vorträge wirkten auf den ersten Blick wie das sprachliche Durcheinander eines überforderten Redners. Tatsächlich waren die vermeintlichen Fehler genau vorbereitet. Er vertauschte Silben, begann Wörter falsch, korrigierte sich und geriet bei der Verbesserung sofort in den nächsten Versprecher.

Die Komik entstand aus dem Gegensatz zwischen seinem selbstbewussten Auftreten und der scheinbar ständig entgleisenden Sprache. Je stärker Lauterbach versuchte, Ordnung in seine Rede zu bringen, desto größer wurde das Chaos. Dabei musste er den Text äußerst präzise beherrschen: Nur wenn jeder Versprecher an der richtigen Stelle saß, konnte sich die gewünschte Wirkung entfalten.

Ein typischer Auftritt entwickelte ein immer höheres Tempo. Aus einem kleinen sprachlichen Stolperer wurde eine ganze Kette doppeldeutiger Formulierungen. Das Publikum wusste häufig schon, dass der nächste Fehler kommen würde – aber nicht, in welche Richtung Lauterbach den Satz verdrehen würde. Eine Fernsehaufnahme aus dem Jahr 1964 vermittelt bis heute einen Eindruck von seinem Vortragstempo und seiner Bühnenpräsenz.

Durch das Fernsehen bundesweit bekannt

In den 1960er-Jahren wurde Kurt Lauterbach durch die Fernsehübertragungen der Kölner Karnevalssitzungen einem großen Publikum bekannt. Über viele Jahre gehörte er zu den Künstlern der vom WDR aufgezeichneten Festsitzung „Karneval in Köln“.

Seine Popularität blieb nicht auf die Karnevalssäle beschränkt. Lauterbach trat mehrfach in der Unterhaltungssendung „Zum Blauen Bock“ mit Heinz Schenk und Lia Wöhr auf. Im Jahr 1979 war er außerdem Gast in Hans Rosenthals Fernsehshow „Dalli Dalli“. Damit wurde aus dem rheinischen Büttenredner ein bundesweit bekannter Komiker.

Neben seinen Sprachvorträgen präsentierte Lauterbach auch humoristische Lieder. Seine Ausbildung als Sänger kam ihm dabei zugute. Er konnte zwischen gesprochener Pointe, musikalischer Parodie und Stimmungslied wechseln, ohne seine charakteristische Figur aufzugeben.

„Gesammeltes Stammeln“

Seinen größten Erfolg auf Schallplatte feierte Lauterbach 1971 mit „Kurt Lauterbachs gesammeltes Stammeln“. Biografischen Angaben zufolge verkaufte sich die Langspielplatte mehr als 100.000-mal und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Es folgten weitere Veröffentlichungen wie „Gesammeltes Stammeln 2“, „Spaß und Stammeln mit Musik“, „Ein schöner Mann vom Lande“ und „Lauter Lachen mit Lauterbach“. Dazu kamen zahlreiche Singles und Beiträge auf Karnevals- und Stimmungssamplern.

Privat in Solingen zu Hause

Obwohl Kurt Lauterbach eng mit dem Kölner Karneval verbunden war, lebte er viele Jahre in Solingen. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er im Stadtteil Merscheid ein Feinkostgeschäft. Damit führte er neben seiner Bühnenkarriere ein vergleichsweise bodenständiges Leben.

Für das Jahr 1994 hatte Lauterbach seinen Abschied von der Bühne vorgesehen. Dazu kam es nicht mehr: Am 5. Mai 1993 starb er im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Ein Meister der Sprache

Kurt Lauterbachs Humor lebte nicht von einer aufwendigen Verkleidung oder einer ausgearbeiteten Rollenfigur. Sein eigentliches Instrument war die Sprache. Er zeigte, wie aus einem falsch begonnenen Wort, einer vertauschten Silbe und einer scheinbar missglückten Korrektur eine vollständige komische Nummer entstehen konnte.

Damit nahm er im Kölner Karneval eine besondere Stellung ein. Seine Auftritte verbanden die traditionelle Büttenrede mit Elementen des Varietés, des musikalischen Theaters und der Sprachkomik. Wer ihn erlebte, hörte keinen Mann, der nicht richtig sprechen konnte, sondern einen Künstler, der sich mit größter Präzision „versprach“.

Kurt Lauterbach starb 1993, doch seine historischen Fernsehaufnahmen und Schallplatten erinnern bis heute an eine Zeit, in der ein einzelner Redner mit Stimme, Mimik und Wortwitz einen ganzen Saal beherrschen konnte.

Art: Redner

Status: Historisch

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