Norbert Arz – Ne Tüttenüggel († 2026)

Norbert Arz – Ne Tüttenüggel († 2026)

Mit seiner Bühnenfigur „Ne Tüttenüggel“ gehörte Norbert Arz über Jahrzehnte zu den bekannten Typenrednern des rheinischen Karnevals. Vor allem in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren trat der aus Rösrath stammende Künstler auf Kölner Bühnen und bei Veranstaltungen im Bergischen Land auf. Sein gutmütiger, etwas unbeholfener Charakter verkörperte eine Form des traditionellen Sitzungskarnevals, bei der Sprache, Darstellung und eine unverwechselbare Figur im Mittelpunkt standen.

Norbert Arz wurde am 7. August 1931 geboren. Er starb am 10. Juli 2026 im Alter von 94 Jahren – nur wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag.

Was ist ein Tüttenüggel?

Der Begriff „Tüttenüggel“, häufig auch „Tütenüggel“ oder „Tüttennüggel“ geschrieben, stammt aus der rheinischen Alltagssprache. Gemeint ist ein Tollpatsch, ein ungeschickter oder etwas unreifer Mensch. Die Bezeichnung ist nicht zwingend böse oder beleidigend, sondern kann durchaus liebevoll verwendet werden.

Die genaue Herkunft des Wortes ist nicht abschließend geklärt. Eine verbreitete Erklärung bringt es mit dem Nuckeln eines Säuglings in Verbindung. Das Wörterbuch der rheinischen Alltagssprache des Landschaftsverbandes Rheinland weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Wortgeschichte unsicher ist.

Für eine Karnevalsfigur war der Name ideal. Der „Tüttenüggel“ durfte vermeintlich begriffsstutzig, ungeschickt und etwas weltfremd erscheinen. Hinter dieser Maske konnte der Redner jedoch mit Bauernschläue, überraschenden Wendungen und genau gesetzten Pointen arbeiten. Das Publikum erkannte schnell: Der Mann auf der Bühne wirkte vielleicht unbeholfen, hatte es aber faustdick hinter den Ohren.

Ein Redner mit mehreren Bühnenfiguren

Norbert Arz trat im Laufe seiner Karriere in verschiedenen Typen auf. Seine größten Erfolge feierte er jedoch als „Ne Tüttenüggel“. Mit dieser Figur war er auf zahlreichen Bühnen im Rheinland zu erleben.

Die klassische Typenrede verlangte mehr als das bloße Erzählen von Witzen. Kostüm, Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Sprache mussten ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Der Redner verwandelte sich für einige Minuten in einen eigenständigen Charakter, der dem Publikum aus seinem Leben berichtete. Die Pointen entstanden häufig dadurch, dass die Bühnenfigur ihre eigene Beschränktheit nicht bemerkte, während die Zuhörer längst verstanden hatten, was tatsächlich vor sich ging.

Der Tüttenüggel reihte sich damit in die lange Tradition kölscher Figuren ein. Während andere Redner als Schutzmann, Weltenbummler, Lehrer, Bauer oder „Doof Noss“ auftraten, verkörperte Arz den liebenswerten Tollpatsch. Gerade weil dieser Menschentyp überall vorkommen konnte, war er dem Publikum sofort vertraut.

Auf den Bühnen des Rheinlands

Arz war besonders zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren im Sitzungskarneval präsent. Seine Auftritte führten ihn von Rösrath und dem Bergischen Land bis auf die Kölner Bühnen. Zeitgenössische Berichte belegen außerdem, dass er regelmäßig außerhalb des unmittelbaren Kölner Raumes verpflichtet wurde.

So trat Norbert Arz im Januar 1976 bei einer karnevalistischen Veranstaltung in Eudenbach bei Königswinter auf. Im damaligen Programm standen neben ihm unter anderem ein Prinzenpaar, Tanzkorps, Musikgruppen und weitere Redner. Dass der „Tütenüggel“ in solchen gemischten Sitzungsprogrammen eingesetzt wurde, zeigt seinen festen Platz im rheinischen Karnevalsbetrieb.

Die Auftritte eines Soloredners unterschieden sich deutlich von den Darbietungen der Musik- und Tanzgruppen. Ein Büttenredner musste einen oftmals unruhigen Saal allein mit seiner Stimme und seiner Präsenz gewinnen. Arz gelang dies mit einer leicht verständlichen Figur, kölscher Sprache und einem Humor, der auch außerhalb Kölns funktionierte.

Verbunden mit dem Klub Kölner Karnevalisten

Eine wichtige karnevalistische Heimat fand Norbert Arz im Klub Kölner Karnevalisten von 1950. Solche Künstlervereinigungen unterstützen Redner, Musiker und andere Bühnenkräfte, organisieren Vorstellabende und vermitteln Kontakte zu den Literaten der Karnevalsgesellschaften.

Nach Angaben des Klubs gehörte Arz dem Verein 61 Jahre lang an. Später wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. In seinem Nachruf erinnerte der Klub daran, dass Arz in unterschiedlichen Rollen aufgetreten sei und als „Ne Tüttenüggel“ seine größten Bühnenerfolge im Rheinland gefeiert habe.

Die ungewöhnlich lange Vereinszugehörigkeit zeigt, dass Arz nicht nur während seiner aktiven Karriere Teil des Karnevals war. Auch nach dem Ende der regelmäßigen Auftritte blieb er der Gemeinschaft und seinen früheren Kollegen verbunden.

Gründungsmitglied in Rösrath

Besondere Bedeutung hatte Norbert Arz für den Karneval seiner Heimatstadt. Er gehörte 1970 zu den Gründungsmitgliedern der Großen Rösrather Karnevals-Gesellschaft. Zum 50-jährigen Bestehen der Gesellschaft wurde er 2020 beziehungsweise in dem für die Jubiläumssession veröffentlichten Sessionsheft 2021 ausdrücklich als Gründungs- und langjähriges Ehrenmitglied gewürdigt.

Darüber hinaus ernannte ihn die Gesellschaft zum Ehrensenator. Damit würdigte sie nicht allein seine Bühnenerfolge, sondern auch seine jahrzehntelange Verbundenheit mit dem Rösrather Vereinsleben. Die Gesellschaft führt Norbert Arz weiterhin in ihrer Übersicht der Ehrenmitglieder und Ehrensenatoren.

Zwischen ernstem Beruf und heiterer Bühne

Beruflich arbeitete Norbert Arz als Bestatter. Damit bewegte er sich in einem Tätigkeitsfeld, das Einfühlungsvermögen, Ruhe und einen verantwortungsvollen Umgang mit Menschen verlangt. Auch im höheren Alter gab er sein Wissen weiter und sprach beispielsweise bei Veranstaltungen über Tod, Bestattung und Trauer.

Der Gegensatz zwischen seinem ernsten Beruf und der heiteren Bühnenfigur wirkt zunächst groß. Zugleich gehörten für Arz offenbar beide Seiten zum menschlichen Leben: der respektvolle Umgang mit Abschied und Verlust ebenso wie die Freude am Lachen und an der Gemeinschaft.

Rückkehr bei der Kölschen Nostalgiesitzung

Auch nach seiner eigentlichen Glanzzeit blieb der „Tüttenüggel“ im kulturellen Gedächtnis erhalten. Bei der zweiten Kölschen Nostalgiesitzung im Jahr 2002 trat Norbert Arz noch einmal in seiner bekannten Rolle auf.

Die von Wicky Junggeburth angeregte Veranstaltungsreihe erinnerte an den Karneval der Nachkriegsjahrzehnte. Neben historischen Liedern und früheren Musikgrößen standen dabei besonders traditionelle Rednerfiguren im Mittelpunkt. Arz’ Mitwirkung zeigte, dass seine Type längst zu den erinnerungswürdigen Figuren dieser Epoche gezählt wurde. Kölsche Nostalgiesitzung

Abschied von einem rheinischen Original

Mit dem Tod Norbert Arz’ verlor der rheinische Karneval einen Vertreter jener Rednergeneration, die allein mit Kostüm, Sprache und genau beobachteten Alltagssituationen einen Saal unterhalten konnte. Seine Bühnenfigur war nicht laut oder spektakulär. Ihre Wirkung entstand aus Wiedererkennung, Menschlichkeit und dem Vergnügen an einem vermeintlichen Tollpatsch, der das Publikum am Ende doch für sich gewann.

Norbert Arz blieb dem Karneval über mehr als sechs Jahrzehnte verbunden – als Redner, Vereinsmitglied, Gründungsmitglied, Ehrensenator und Zeitzeuge einer vergangenen Epoche des Sitzungskarnevals. Als „Ne Tüttenüggel“ wird er besonders in Rösrath, im Bergischen Land und bei den Freunden der traditionellen kölschen Bütt in Erinnerung bleiben.

Art: Künstler

Status: Historisch

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