Köln. Der Ausnahmezustand hat einen Preis – und der ist gewaltig. Während Millionen Jecken Jahr für Jahr ausgelassen den Straßenkarneval feiern, plant die Stadt Köln hinter den Kulissen ein Sicherheitsprogramm in bislang ungekanntem Ausmaß. Bis zu 25,29 Millionen Euro sollen zwischen 2026 und 2030 in die Absicherung des Karnevals fließen. Gegenüber 2021 haben sich die Kosten damit nahezu verfünffacht.
Was früher mit einigen Absperrgittern, Polizei und Ordnern begann, entwickelt sich immer mehr zu einem professionellen Sicherheitsapparat. Die Stadt hat die Leistungen europaweit neu ausgeschrieben. Gesucht wird ein Unternehmen, das praktisch den gesamten Straßenkarneval absichert – vom Sessionsauftakt am 11.11. über Weiberfastnacht bis hin zum Rosenmontagszug.
Kameras, Sperren und tausende Sicherheitskräfte
Die Ausschreibung zeigt, wie umfassend das Sicherheitskonzept inzwischen geworden ist. Zugangskontrollen an den Party-Hotspots Alter Markt und Zülpicher Straße gehören ebenso dazu wie umfangreiche Maßnahmen in der Südstadt. Dort sollen bei Bedarf Straßen rund um Chlodwigplatz, Severinskirchplatz und Ubierring komplett für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden.
Hinzu kommt eine weitere Maßnahme, die viele Jecken überraschen dürfte: Die Stadt sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, an den Einsatzorten Überwachungskameras zu installieren. Ziel ist es, Besucherströme besser zu steuern und im Ernstfall schneller reagieren zu können. Gleichzeitig soll der Auftragnehmer eng mit Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr zusammenarbeiten und dauerhaft in der städtischen Einsatzleitung vertreten sein.
Warum wird alles so teuer?
Der Grund liegt in den deutlich gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Nach mehreren Anschlägen auf Großveranstaltungen in Europa und Deutschland wurden die Konzepte vieler Städte grundlegend überarbeitet. Fahrzeugbarrieren, Zugangskontrollen, Videoüberwachung, mehr Sicherheitspersonal und umfangreiche Einsatzplanungen gehören inzwischen zum Standard großer Veranstaltungen.
Gerade Köln steht dabei besonders im Fokus. Mit mehreren hunderttausend Besuchern an den Karnevalstagen zählt der Straßenkarneval zu den größten Volksfesten Europas. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Veranstalter und Behörden.
Zwischen Lebensfreude und Sicherheitsstaat
Doch die Entwicklung wirft Fragen auf. Kann Karneval noch unbeschwert sein, wenn Besucher durch Kontrollstellen gehen, Kameras den öffentlichen Raum überwachen und ganze Straßenzüge abgesperrt werden?
Für viele Jecken ist Sicherheit selbstverständlich. Andere befürchten, dass der Straßenkarneval seinen offenen Charakter verliert. Die Balance zwischen maximalem Schutz und kölscher Lebensfreude wird damit zu einer der größten Herausforderungen der kommenden Jahre.
Der Preis des Feierns
Rechnet man die geplanten Gesamtkosten auf die Vertragslaufzeit bis 2030 um, entspricht das durchschnittlich mehr als sechs Millionen Euro pro Session – zusätzlich zu den Kosten von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, die aus anderen Haushalten finanziert werden.
Fest steht: Der Kölner Karneval bleibt eines der größten Volksfeste Deutschlands. Doch er wird zugleich zu einer der aufwendigsten Sicherheitsoperationen des Landes. Ob die Jecken davon am Ende überhaupt etwas bemerken sollen? Eigentlich nicht. Denn das Ziel aller Maßnahmen lautet: feiern wie immer – nur sicherer als je zuvor.