Günter Eilemann gehörte zu den Künstlern, die den Kölner Karneval über mehrere Jahrzehnte entscheidend prägten. Als Pianist, Akkordeonspieler, Komponist und Gründer des Eilemann-Trios verband er kölschen Humor mit musikalischer Präzision. Seine Lieder erzählten von den kleinen und großen Veränderungen des Alltags, griffen aktuelle Themen auf und wurden zu festen Bestandteilen des Sitzungskarnevals.
Besonders eng ist sein Name mit dem Titel „Eetz kütt et rut, rut, rut“ verbunden. Das Lied über die damals noch ungewohnten Verkehrsampeln in Köln entwickelte sich zu einem der bekanntesten Karnevalsschlager der Nachkriegszeit. Doch Günter Eilemann auf diesen Erfolg zu reduzieren, würde seiner Bedeutung nicht gerecht. Gemeinsam mit seinen musikalischen Partnern schuf er einen unverwechselbaren Stil, der Elemente aus Karneval, Kabarett, Schlager und Swing miteinander verband.
Kindheit und musikalische Ausbildung in Köln
Günter Gustav Wilhelm Eilemann wurde am 14. April 1923 in Köln geboren. Seine Mutter sah für ihn zunächst einen handwerklichen beziehungsweise medizinischen Berufsweg vor. Doch schon früh zeigte sich seine Begeisterung für die Musik. Im Alter von 15 Jahren begann er ein Klavierstudium an der Kölner Musikschule. Zu seinen Lehrern gehörte der Pianist und Musikpädagoge Gerd Maibohm, wie in einem Porträt des Melaten-Friedhofs beschrieben wird.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Eilemann als Soldat eingesetzt und an der Front verwundet. Selbst in dieser schwierigen Zeit blieb die Musik ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Während eines Aufenthalts in Italien spielte er Swingmusik und kam dadurch mit einer musikalischen Welt in Berührung, die sich später auch in seinem eigenen Stil wiederfinden sollte.
Nach dem Krieg kehrte Günter Eilemann nach Köln zurück. Zunächst arbeitete er im Vertrieb der „Kölnischen Rundschau“. Abends saß er jedoch regelmäßig am Klavier und trat unter anderem in einem Kölner Hotel auf. Die Musik wurde zunehmend vom Nebenberuf zum eigentlichen Mittelpunkt seines Lebens.
Der Weg in den Kölner Karneval
Dass Günter Eilemann einmal zu einer Institution des Kölner Karnevals werden würde, war zunächst keineswegs absehbar. Nach eigener Erinnerung hatte er anfangs nur wenig Erfahrung mit dem organisierten Fastelovend. Den entscheidenden Anstoß gab der Texter Klaus Peter Urban.
Urban überreichte ihm den Text „Ich hab heut’ einen schönen Schwips“ und bat ihn, eine passende Melodie dazu zu schreiben. Eilemann suchte anschließend nach Musikern, mit denen er die neuen Lieder auf die Bühne bringen konnte. Die Entstehung des Ensembles schildert auch der Musikverlag Hans Gerig in seinem Künstlerporträt.
Am 11. November 1952 begann schließlich die Karnevalskarriere des Eilemann-Trios. Der WDR bezeichnet Günter Eilemann rückblickend als Institution im kölschen Karneval. Mit seinem musikalischen Können, seinem Gespür für Pointen und seinem zurückhaltenden Auftreten unterschied er sich deutlich von vielen anderen Künstlern seiner Zeit.
Die unterschiedlichen Besetzungen des Eilemann-Trios
Die ursprüngliche Besetzung des 1952 gegründeten Trios bestand aus Günter Eilemann am Akkordeon, Karl-Heinz Nettesheim an der Rhythmusgitarre und Horst Muys am Kontrabass. Der Name Eilemann-Trio blieb auch bestehen, als sich die personelle Zusammensetzung veränderte.
1956 übernahm Willy Schweden den Platz von Karl-Heinz Nettesheim. Im Jahr 1962 wurde Horst Muys durch Charly Niedieck ersetzt. Damit war jene Besetzung gefunden, die von vielen Karnevalsfreunden bis heute besonders eng mit dem Namen Eilemann-Trio verbunden wird:
- Günter Eilemann am Akkordeon und Klavier
- Willy Schweden an der Gitarre
- Charly Niedieck am Kontrabass
Jeder der drei Künstler erfüllte auf der Bühne eine eigene Aufgabe. Eilemann war der musikalische Kopf und sorgte für die präzisen Arrangements. Willy Schweden ergänzte das Klangbild mit seiner Rhythmusgitarre, während Charly Niedieck neben dem Kontrabassspiel auch eine ausgeprägte komödiantische Wirkung besaß. Der WDR zählt das Eilemann-Trio zu den prägenden Formationen des kölschen Karnevals.
„Eetz kütt et rut, rut, rut“ wird zum Durchbruch
Bereits im Gründungsjahr gelang Günter Eilemann und seinen Partnern der entscheidende Erfolg. In Köln wurden damals Verkehrsampeln eingeführt, die im Straßenbild noch eine ungewohnte Neuerung darstellten. Klaus Peter Urban machte daraus einen humorvollen Liedtext, zu dem Günter Eilemann die Musik komponierte.
„Eetz kütt et rut, rut, rut“ beschrieb die Ampel und ihre Farben mit kölschem Witz. Das Lied griff ein aktuelles Thema auf, das nahezu jeder Kölner aus dem Alltag kannte. Dadurch funktionierte es nicht nur als Karnevalsschlager, sondern zugleich als musikalische Momentaufnahme der Stadtgeschichte.
Nach Angaben der Akademie för uns kölsche Sproch stammen der Text von Klaus Peter Urban und die Musik von Günter Eilemann. Je nach Veröffentlichung finden sich unterschiedliche Schreibweisen des Titels, darunter „Eetz“ und „Eets“ sowie „rut“ und „rud“.
Der Erfolg begründete zugleich ein Prinzip, das für Günter Eilemann typisch werden sollte: Seine Lieder griffen häufig Erscheinungen der Gegenwart auf und betrachteten sie mit freundlicher Ironie.
Kölscher Humor mit aktuellem Bezug
Günter Eilemann war kein lauter Possenreißer. Sein Humor lebte von genauer Beobachtung, musikalischer Eleganz und pointierten Texten. Gemeinsam mit Autoren wie Klaus Peter Urban, Martha Ibach und Bruno Wüst machte er Moden, Urlaubsziele, technische Neuerungen und gesellschaftliche Gewohnheiten zu Themen seiner Lieder.
Dabei entstand eine Form des Karnevalsschlagers, die sich vom reinen Stimmungslied unterschied. Die Stücke erzählten meist kleine Geschichten oder bauten auf einer konkreten Alltagssituation auf. Das Publikum konnte die Anspielungen unmittelbar verstehen und sich gleichzeitig in ihnen wiedererkennen.
Ein gutes Beispiel ist „Morgens Fango, abends Tango“. Bereits der Titel verbindet Kuraufenthalt und Abendvergnügen zu einer einprägsamen Pointe. „Sie will ja nach Sevilla“ spielt dagegen mit Reiselust, Fernweh und einem Refrain, der sich schnell beim Publikum festsetzte. Bei „Maach et dir bequem“ stammte der Text von Bruno Wüst und die Musik von Günter Eilemann, wie die Kölsche Liedersammlung dokumentiert.
Die bekannten Lieder von Günter Eilemann
Im Laufe seiner Karriere schrieb Günter Eilemann eine große Zahl von Kompositionen. Zu den besonders bekannten Titeln aus dem Umfeld des Eilemann-Trios gehören:
- „Eetz kütt et rut, rut, rut“
- „Du alter Räuber“
- „Vater ist der Beste“
- „Oh Heimat, wie bist du so schön“
- „Sie will ja nach Sevilla“
- „Ich glaub’, ich bin der Leo“
- „Morgens Fango, abends Tango“
- „Maach et dir bequem“
- „Archäologie“
- „O Mama, O Mama Mia O-O-O-Olympia“
- „Kamelle us Kölle“
- „Das Matterhorn“
Die Bandbreite dieser Titel zeigt, dass sich Eilemann nicht auf ein einziges Thema festlegen ließ. Manche Stücke beschäftigten sich mit Köln und dem Karneval, andere mit familiären Situationen, Reisen, Sportereignissen oder gesellschaftlichen Trends.
Besonders „Vater ist der Beste“ besitzt einen wärmeren und beinahe sentimentalen Charakter. Das Lied belegt, dass das Trio neben satirischen und humoristischen Beiträgen auch gefühlvolle Töne beherrschte.
Akkordeon, Gitarre und Kontrabass statt großer Begleitband
Der Klang des Eilemann-Trios war vergleichsweise sparsam. Akkordeon, Rhythmusgitarre und Kontrabass bildeten das musikalische Fundament. Hinzu kam der mehrstimmige Gesang der drei Mitglieder. Gerade diese übersichtliche Besetzung machte es möglich, die Texte und Pointen besonders deutlich in den Vordergrund zu stellen.
Günter Eilemann brachte seine Ausbildung am Klavier und seine Erfahrungen mit Swing und Unterhaltungsmusik in die Arrangements ein. Die Darbietungen wirkten dadurch präzise und leicht, ohne musikalisch beliebig zu sein.
Auch optisch setzte sich das Trio von vielen anderen Karnevalskünstlern ab. Die Musiker traten nicht in aufwendigen Kostümen auf, sondern bevorzugten elegant geschnittene Anzüge. Diese äußere Zurückhaltung passte zu ihrem Stil: Die Wirkung entstand aus Musik, Text, Mimik und dem Zusammenspiel der drei Persönlichkeiten.
Erfolgreich weit über die Session hinaus
Das Eilemann-Trio war keine Formation, die ausschließlich während der Karnevalssession auftrat. Die Musiker standen das ganze Jahr über auf der Bühne und waren unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen zu erleben. Auch Fernsehauftritte sorgten dafür, dass sie über Köln und das Rheinland hinaus bekannt wurden.
Damit gehörten Günter Eilemann und seine Partner zu einer Generation von Karnevalskünstlern, die sich zugleich als professionelle Unterhaltungsmusiker verstanden. Der Fastelovend blieb ihr wichtigstes Fundament, doch ihre Programme funktionierten auch außerhalb der klassischen Sitzungen.
Diese Vielseitigkeit trug dazu bei, dass das Trio über Jahrzehnte erfolgreich blieb. Während sich musikalische Moden veränderten, bewahrte Günter Eilemann den charakteristischen Klang der Gruppe und reagierte zugleich immer wieder auf neue Themen.
Das Ende des Eilemann-Trios
Ein schwerer Einschnitt war der Unfalltod von Charly Niedieck am 1. November 1992. Günter Eilemann entschied daraufhin, das Trio nicht mit einem neuen Musiker fortzusetzen. Nach vier Jahrzehnten endete damit die Geschichte des Eilemann-Trios.
Die Entscheidung zeigt, wie eng die künstlerische und persönliche Zusammenarbeit innerhalb der letzten Besetzung gewesen war. Niedieck ließ sich für Eilemann offenbar nicht einfach ersetzen. Nach dem Ende des Trios zog sich Günter Eilemann weitgehend von den großen Karnevalsbühnen zurück, trat gelegentlich aber weiterhin am Klavier oder Akkordeon auf.
Darüber hinaus engagierte er sich im karnevalistischen Leben Kölns. Zeitweise stand er der Karnevalistenvereinigung Muuzemändelcher vor, die sich der Pflege und Förderung der kölschen Unterhaltungskunst widmet.
Tod und bleibende Erinnerung
Günter Eilemann starb am 4. Oktober 2015 im Alter von 92 Jahren in Köln. Seine Beisetzung fand auf dem Melaten-Friedhof statt. Dort liegen auch seine früheren Trio-Partner Willy Schweden und Charly Niedieck begraben.
Bei der Trauerfeier wurde noch einmal deutlich, welchen Stellenwert Günter Eilemann im Kölner Karneval besaß. Weggefährten und Künstler erinnerten an einen Musiker, der über Jahrzehnte hinweg für anspruchsvolle und zugleich publikumsnahe Unterhaltung gestanden hatte. Seine Bedeutung beschränkte sich nicht auf einzelne Erfolgslieder. Er schuf einen eigenen Stil, der in der Kölner Karnevalsmusik unverwechselbar blieb.
Das Akkordeon des Musikers wurde später in die Sammlung des Kölner Karnevalsmuseums aufgenommen. Es erinnert dort an den Mann, der auf diesem Instrument einige der bekanntesten Melodien des kölschen Fastelovends spielte.
Günter Eilemann als Teil der Kölner Karnevalsgeschichte
Günter Eilemann steht für eine besondere Verbindung von musikalischem Können, kölscher Sprache und zeitbezogenem Humor. Er beobachtete den Alltag der Menschen und verwandelte neue Entwicklungen in unterhaltsame Lieder. Verkehrsampeln, Urlaubsreisen, Kuren oder Sportereignisse wurden bei ihm zu karnevalistischen Geschichten.
Das Eilemann-Trio bewies, dass ein Karnevalsauftritt weder eine große Besetzung noch auffällige Kostüme benötigte. Drei Musiker, präzise Arrangements und gute Texte reichten aus, um einen ganzen Saal zu unterhalten.
Vor allem aber blieb Günter Eilemann über vier Jahrzehnte seinem eigenen Stil treu. Seine Musik war kölsch, ohne sich ausschließlich auf lokale Klischees zu verlassen. Sie war humorvoll, ohne grob zu werden, und eingängig, ohne auf musikalische Sorgfalt zu verzichten.
Damit gehört Günter Eilemann zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Kölner Karnevals. Seine Lieder erzählen nicht nur vom Fastelovend, sondern auch von der Stadt Köln und dem Lebensgefühl mehrerer Generationen. Wann immer „Eetz kütt et rut, rut, rut“ erklingt, lebt ein Stück seines musikalischen Vermächtnisses weiter.