Hans Jonen gehört zu den Persönlichkeiten des Kölner Karnevals, deren Namen heute weniger bekannt sind als ihre Werke. Der Schriftsteller, Mundartdichter und Liedtexter prägte über Jahrzehnte das kölsche Unterhaltungstheater. Sein berühmtester Text wird bis heute weit über Köln hinaus gesungen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“.
Vom Schriftsteller zum Karnevalsautor
Johann Adam Hans Jonen wurde 1892 in Köln geboren. Er war literarisch vielseitig und schrieb Gedichte, Bühnenstücke, Filmdrehbücher, Lustspiele und Revuen. Einige seiner Arbeiten veröffentlichte er unter dem Pseudonym John Hansen. Ab Mitte der 1920er-Jahre widmete er sich verstärkt dem Karneval und verfasste Texte in kölscher Mundart. Dadurch wurde er zu einem wichtigen Vertreter jener Autorengeneration, die den Fastelovend nicht nur als Fest, sondern auch als eigenständige Bühnenkunst verstand.
In den 1920er- und 1930er-Jahren gehörte Jonen neben Künstlern wie Willi Ostermann, Gerhard Ebeler, Hans Otten und Engelbert Sassen zu den prägenden Köpfen der Kölner Unterhaltungsszene. Viele ihrer Lieder und Texte entstanden für Grete Fluss, den gefeierten Star der großen kölschen Revuen. Diese aufwendig inszenierten Programme verbanden Musik, Tanz, Schauspiel, Humor und aktuelle Anspielungen. Das „Groß Köln“, der Vorgänger der heutigen Sartory-Säle, war während der Karnevalszeit regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt.
Revuen für Grete Fluss
Nach dem Zweiten Weltkrieg half Hans Jonen dabei, die Tradition der kölschen Revue wiederzubeleben. Gemeinsam mit Komponisten und Bühnenkünstlern schuf er neue Programme für Grete Fluss. Dazu gehörten Revuen wie „Aat bliev Aat“, „Su oder su“ und „Rund öm de Freud“.
Gerade in der weitgehend zerstörten Stadt hatten diese Aufführungen eine besondere Bedeutung. Sie boten dem Publikum Ablenkung und Zuversicht, erinnerten aber zugleich an die kölsche Sprache und das vertraute Lebensgefühl der Vorkriegszeit. Jonens Texte verbanden Humor und Heimatliebe mit jener leisen Melancholie, die viele klassische kölsche Lieder auszeichnet.
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“
Seinen größten Erfolg feierte Hans Jonen als Textdichter des Liedes „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Die Musik schrieb Jupp Schmitz. Das Anfang der 1950er-Jahre entstandene Stück beschreibt den unvermeidlichen Abschied von der närrischen Zeit: Auf die ausgelassene Feier folgen Ernüchterung, Vergänglichkeit und die Rückkehr in den Alltag.
Der Titel wurde schnell zu einem geflügelten Wort. Das Lied gehört bis heute zum festen Repertoire des rheinischen Karnevals und wird besonders am Ende von Sitzungen und Feiern gesungen. Während Jupp Schmitz als Sänger und Komponist im Rampenlicht stand, lieferte Hans Jonen jene Worte, die dem Stück seine zeitlose Wirkung gaben.
Gründer der Muuzemändelcher
Auch organisatorisch setzte sich Jonen für die Künstler des Karnevals ein. Im Jahr 1948 gründete er die Künstlervereinigung „Muuzemändelcher“, einen Zusammenschluss von Sängern, Musikern, Rednern, Komponisten und Autoren. Ihr Anliegen war es, die Qualität der Darbietungen zu fördern und die Interessen der auftretenden Künstler zu vertreten. Hans Jonen wurde als Vorsitzender traditionell „Muuze-Baas“ genannt. Die Stadt Köln erinnert sowohl an seine Rolle als Gründer der Vereinigung als auch an seine zahlreichen Revuen für Grete Fluss.
Ein Vermächtnis in kölschen Tönen
Hans Jonen starb 1958 und wurde auf dem Kölner Melatenfriedhof beigesetzt. Sein Grabstein ist schlicht, doch sein kulturelles Erbe ist bis heute lebendig. Mit seinen Liedtexten, Bühnenstücken und Revuen trug er entscheidend dazu bei, den Kölner Karneval als literarische und musikalische Kunstform zu bewahren.
Jonen war kein Künstler, der sich vor allem durch spektakuläre Auftritte einen Namen machte. Seine Stärke lag im geschriebenen Wort. Er gab anderen Künstlern die Texte, mit denen sie das Publikum zum Lachen, Schunkeln und manchmal auch zum Nachdenken brachten. Besonders „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ zeigt, warum sein Werk über seine Zeit hinausreicht: Das Lied erzählt nicht nur vom Ende des Karnevals, sondern auch von der Vergänglichkeit jedes schönen Augenblicks.