Kappes & Co gehören zu den Kölner Bands, die im Karneval bewusst auf leisere Töne, mehrstimmigen Gesang und genaues Zuhören setzen. Die vier Musiker bezeichnen ihren Stil als „Pop-Krätzjer“: traditionelle kölsche Erzählkunst trifft dabei auf akustische Popmusik, eingängige Melodien und humorvolle Bühnenpräsentationen.
Statt ausschließlich auf schnelle Partyrhythmen und kurze Mitsingrefrains zu setzen, erzählen Kappes & Co kleine Geschichten über Köln, den Fastelovend und den alltäglichen Unsinn des Lebens. Ihr musikalisches Motto lautet entsprechend: Geschichten mit „Hätz, Jeföhl un Wetz“.
Vier Musiker und viele Klangfarben
Die Gruppe besteht aus vier Musikern, die zugleich als Sänger auftreten:
- Christoph Coch – Gitarre und Gesang
- Dirk Neuhausen – Cajon und Gesang
- Michael Minholz – Bass, Mandoline und Gesang
- Andreas Schenkel – Klavier, Akkordeon beziehungsweise „Quetsch“ und Gesang
Diese Instrumentierung bestimmt den charakteristischen Klang der Band. Das Cajon ersetzt das große Schlagzeug und verleiht der Musik einen rhythmischen, aber nicht zu lauten Puls. Gitarre, Bass, Mandoline, Klavier und Akkordeon schaffen dazu ein abwechslungsreiches akustisches Klangbild. Eine besondere Rolle spielt der mehrstimmige Satzgesang, der viele Lieder von Kappes & Co unverwechselbar macht.
Das Festkomitee Kölner Karneval beschreibt die Gruppe als eine Band, die vollständig live spielt und dabei lieber für „Groove statt Krawall“ sorgt. Ihre Auftritte verbinden Musik, Wortwitz und kleine Spielszenen zu einer unterhaltsamen Bühnenshow.
Was der Name bedeutet
Auch der Bandname zeigt den Humor der Musiker. „Kappes“ bezeichnet nicht nur den Kohl, sondern wird im Rheinland ebenso für Unsinn oder belangloses Gerede verwendet. Nach eigener Darstellung ist die Gruppe im landwirtschaftlich geprägten Kölner Westen zwischen „Kappes und Rüben“ groß geworden. Das „Co“ kann wiederum als Hinweis auf Colonia, also Köln, verstanden werden.
Die Musiker nehmen weder den Namen noch sich selbst allzu ernst. Auf ihrer Internetseite verbinden sie ihre tatsächliche Laufbahn mit einer bewusst übertriebenen, erfundenen „Weltkarriere“. Dort berichten sie augenzwinkernd von internationalen Erfolgen, Auszeichnungen und Begegnungen mit Weltstars. Diese Selbstironie passt zu ihrer Musik: Kappes & Co erzählen gerne große Geschichten, behalten dabei aber stets den kölschen Blick für das Komische und Menschliche.
Moderne Krätzjer
Das Krätzje gehört zu den ältesten Formen des kölschen Liedes. Meist erzählt es eine überschaubare Geschichte, stellt eine besondere Figur vor oder beobachtet eine alltägliche Begebenheit. Häufig wartet am Ende eine überraschende oder humorvolle Pointe.
Kappes & Co übertragen diese Tradition in die Gegenwart. Ihre Lieder greifen moderne Themen auf, ohne die kölsche Mundart und die erzählerische Form aufzugeben. Dabei reicht das Spektrum von komischen Tiergeschichten über romantische Begegnungen bis zu Beobachtungen über Technik, Heimat und das Zusammenleben in Köln.
Die selbst geschriebenen Stücke sind deshalb nicht nur musikalische Beiträge für eine Karnevalssitzung. Sie funktionieren auch bei Konzerten, in Kneipen und auf kleineren Bühnen, auf denen das Publikum den Texten aufmerksam folgen kann. Besonders gut passt die Band zu Flüster- und Nostalgiesitzungen, Senatsabenden oder Veranstaltungen, bei denen Musik und Sprache gleichermaßen im Mittelpunkt stehen.
Lieder zwischen Eule, Dom und künstlicher Intelligenz
Zu den frühen Veröffentlichungen der Gruppe gehört „Mer han en Ühl em Jaade“, das 2018 auf der Zusammenstellung ajuja 3 – Karneval in Köln erschien. Das humorvolle Stück über eine Eule im Garten zeigt beispielhaft, wie Kappes & Co aus einer scheinbar kleinen Begebenheit ein kölsches Krätzje entwickeln.
Mit „Do you love Fastelovend?“ verband die Band kölsches Lebensgefühl mit einer englischen Frage und nahm zugleich die besondere Situation des Karnevals während der Corona-Zeit auf. Das Lied erschien im Umfeld der Session 2021 und später in einer überarbeiteten „PandeMix“-Fassung.
Einen nachdenklicheren Ton schlägt „Et Millijoneleed“ an. Die Steine des Kölner Doms werden darin zum Sinnbild für Zusammenhalt: Erst gemeinsam bilden die vielen einzelnen Teile etwas Großes und Beständiges. Weitere Titel wie „Jode Morje leev Kölle“, „Loni“ und „Lieblingsoot“ zeigen die gefühlvolle und heimatverbundene Seite der Gruppe.
Mit „KI – Kölsche Intellijenz“ bewiesen Kappes & Co zudem, dass ein kölsches Krätzje auch aktuelle technische Entwicklungen aufgreifen kann. Der Titel spielt humorvoll mit der Abkürzung für künstliche Intelligenz und stellt ihr eine besondere kölsche Form von Lebensklugheit gegenüber. Auf ihrer Internetseite dokumentiert die Band die Veröffentlichungen und nennt Christoph Coch, Dirk Neuhausen und Joachim Coch als Autoren mehrerer Lieder.
Eine etwas andere Karnevalsband
Kappes & Co stehen für eine Form des Kölner Karnevals, die nicht allein von Lautstärke und Tempo lebt. Die Band verbindet die Tradition des Krätzchens mit zeitgemäßem Folk-Pop und setzt auf handgemachte Musik, Mundart und mehrstimmigen Gesang.
Ihre Auftritte laden zum Zuhören, Lachen und Mitsingen ein. Gerade diese Mischung macht Kappes & Co zu einer besonderen Erscheinung im Kölner Fastelovend: musikalisch modern, sprachlich fest im Kölschen verwurzelt und stets bereit, aus einer alltäglichen Beobachtung eine kleine Geschichte für Herz und Kopf zu machen.