Karl Berbuer († 1977)

Karl Berbuer († 1977)

Karl Berbuer, geboren am 26. Juli 1900 in Köln, gestorben am 17. November 1977 ebenfalls in Köln, war von Beruf Bäcker und wurde zu einem der meistgesungenen Liedermacher des Kölner Karnevals.

Bekannt wurde er weit über Köln hinaus mit dem Trizonesien-Lied — „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“. Berbuer stellte es am 11. November 1948 im Rundfunk vor; geplant war es als „Bizonesien-Lied“ und wurde umbenannt, nachdem die britisch-amerikanische Bizone durch den Beitritt der französischen Zone zur „Trizone“ geworden war. Das Lied kommentierte die Besatzungssituation mit Humor und wurde zum Erfolg in ganz Westdeutschland — im Ausland löste es zugleich Irritation über einen vermeintlich wiedererstarkten deutschen Nationalstolz aus. In den Jahren vor der Festlegung einer offiziellen Hymne trat es gelegentlich an deren Stelle.

Ebenfalls zu seinen bekanntesten Stücken gehört „Heidewitzka, Herr Kapitän“ (1936).

Berbuer war früh im organisierten Karneval verankert: In der Session 1925 — der ersten offiziellen Session nach dem Ersten Weltkrieg — nahm die Kölner Narren-Zunft ihn als Senator auf. Am 16. November 1941 trug er beim 61. Stiftungsfest der Narren-Zunft zwei neue Lieder vor und hielt das im Goldenen Buch der Gesellschaft selbst fest. Als am 17. Januar 1947 der Festausschuss des Kölner Karnevals wiedergegründet wurde, wirkte Berbuer im Vorstand unter Präsident Albrecht Bodde mit.

Von Berbuer stammt auch die Musik des Greesberger-Marsches (Text: Herbert Limbach) sowie das Lied „Agrippina, Agrippinensis“.

In der Kölner Szene war Berbuer auch als Vermittler wirksam: Nach Darstellung der Altstädter Köln 1922 brachte er den Texter Jupp Schlösser und den Komponisten Gerhard Jussenhoven zusammen, deren gemeinsame Lieder zu Evergreens wurden.

An Berbuer erinnert der Karl-Berbuer-Platz im Severinsviertel. Den Anstoß zum dortigen Denkmal gaben nach Darstellung der KG Kölsche Grielächer vun 1927 deren Ehrenpräsident Hans Bauhoff — damals Vizepräsident und Protokollchef des Festkomitees — und Ferdi Leisten, damals Ehrenpräsident des Festkomitees. Ein eigenes Kuratorium schrieb den Entwurf aus; aus 14 Vorschlägen fiel die Wahl auf den Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg. Der Narrenschiff-Brunnen wurde am 12. Juli 1987 eingeweiht; federführend in Planung und Umsetzung war die KG Kölsche Grielächer.

Die NS-Zeit

Karl Berbuers Rolle in den Jahren 1933 bis 1945 ist öffentlich nicht zuverlässig geklärt. Belegt ist, dass er im Karnevalsbetrieb der Kriegsjahre auftrat: Für den 16. November 1941 verzeichnet das Goldene Buch der Kölner Narren-Zunft zwei neue Lieder von ihm. Daraus folgt für sich genommen weder Nähe zum Regime noch Widerstand — es ist ein einzelner dokumentierter Abend, nicht mehr. Eine kursierende Angabe zu einer Mitgliedschaft in der NSDAP stammt aus der Wikipedia und aus Seiten, die sie übernommen haben; eine belastbare, nachprüfbare Quelle dafür liegt uns nicht vor. Wir geben sie deshalb nicht wieder.

Umgekehrt gilt auch: Für die verbreitete Deutung, „Heidewitzka, Herr Kapitän“ sei versteckter Spott auf den Hitlergruß gewesen, haben wir ebenfalls keinen Beleg. Wir teilen sie nicht und bestreiten sie nicht.

Die Chronik der Kölner Narren-Zunft, die den Abend von 1941 festhält, nennt Berbuer in ihren Jahreskapiteln 1933 bis 1940 an keiner Stelle.

Das Standardwerk zur Sache — Carl Dietmar / Marcus Leifeld: „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich“ (2010) — haben wir nicht eingesehen und werden es auch nicht; die Frage bleibt damit auf absehbare Zeit offen. Stand dieser Angaben: 02.10.2026.

Art: Solokünstler

Status: Historisch

Mehr über Karl Berbuer († 1977): Karl Berbuer – Der kölsche Liedermacher mit Herz und Humor

Weitere Künstler im Verzeichnis

Ganzes Verzeichnis
2 Schlawiner
Duo Aktiv

2 Schlawiner

Die 2 Schlawiner waren ein beliebtes Blödel- und Gesangsduo des Kölner Sitzungskarnevals. Seine Anfänge reichen bis …

3 Söck
Künstler Aktiv

3 Söck

Entstehung und Name Die 3 Söck sind eine Kölner Mundart-, Karnevals- und Unterhaltungsgruppe. Ihre Vorgeschichte begann …

Die Band Aach un Kraach, Bandfoto 2025
Band Aktiv

Aach un Kraach

Aach un Kraach bezeichnen sich selbst als „lokalpatriotischen Mundarterguss". Das Quintett aus Bonn und Köln macht …