Karl Küpper († 1970)
Karl Küpper trat als „d’r Verdötschte“ auf — kölsch für einen Verdrehten, einen Durcheinandergeratenen. Unter dieser Maske hat er in den 1930er Jahren in der Bütt Dinge gesagt, die sonst niemand sagte.
Geboren wurde er am 2. November 1905 in Düsseldorf. Die Familie zog 1911 nach Köln und 1915 nach Kalk, wo er aufwuchs und wo er später sein Lokal führte. Gelernt hat er nach einer Darstellung den Beruf des Schriftsetzers; in die Bütt kam er um 1927.
Was er dort tat, ist das, wofür er erinnert wird. Er betrat die Bühne mit erhobenem rechtem Arm und fragte in die Runde: „Is et am rääne?“ — oder erklärte, so hoch stehe bei ihnen im Keller der Dreck. Der Hitlergruß als Regenprobe, die Karnevalsbütt als einziger Ort, an dem so etwas einen Abend lang durchging.
Es ging nicht lange durch. Für seinen Vortrag „Der Filmstar“ am 12. Januar 1939 im Börsensaal erhielt er 1939 ein lebenslanges Rede- und Auftrittsverbot — verhängt nach dem Heimtückegesetz. Um einer Verhaftung zu entgehen, meldete er sich 1940 oder 1941 freiwillig zur Wehrmacht; danach wurde das Verbot aufgehoben, und er trat in der Fronttheater-Betreuung für Soldaten auf.
Nach dem Krieg stand er wieder in der Bütt und nahm sich dort vor, was er sah: das Fortwirken alter Verhältnisse in der neuen Republik. Anfang der 1950er Jahre kostete ihn ein Vortrag erneut die Bühne — nach dem Satz „Et es widder am rähne!“ fand er faktisch kein Engagement mehr. Seine karnevalistische Laufbahn endete Ende der 1950er oder um 1960. Küpper starb am 26. Mai 1970 in Köln; er liegt auf Melaten.
Die Einordnung, auf die es ankommt
Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln schreibt über ihn, er sei „der einzige unter ihnen, der öffentlich gegen das NS-Regime aufgestanden ist“, und er habe sich „anders als die übergroße Mehrheit der Kölner Karnevalisten“ offen gegen die Nationalsozialisten gestellt (wörtlich, S-017).
Beide Hälften dieses Satzes gehören erzählt. Küppers Mut ist belegt — und er ist belegt als Ausnahme. Das Festkomitee Kölner Karneval sagt über dieselben Jahre von sich selbst, Karnevalisten hätten damals „keine Berührungsängste“ zur NS-Ideologie gehabt (S-006, zu 1933), und sein damaliger Festausschuss-Vorsitzender Thomas Liessem stehe „beispielhaft für die Anbiederung des Karnevals an das NS-System“ (S-039, wörtlich). Wer Küpper feiert, feiert keinen Karneval, der sich gewehrt hat. Er feiert den einen, der es tat.
2020 haben das Festkomitee und die Freunde und Förderer des kölschen Brauchtums den Karl-Küpper-Preis gestiftet — einen Preis für Zivilcourage, dotiert mit 10.000 Euro, erstmals am 19. Oktober 2020 an Carola Rackete verliehen. Im Foyer des Gürzenich erinnert seit dem 26. Mai 2020 eine Tafel an ihn.
Art: Redner
Status: Historisch
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