Willi Ostermann († 1936)

Willi Ostermann († 1936)

Willi Ostermann ist der Name, an dem im kölschen Lied niemand vorbeikommt. Geboren wurde er am 1. Oktober 1876 in Mülheim am Rhein — damals eine eigenständige Stadt, erst später nach Köln eingemeindet. Sein Vater war Eisenbahner und Weichensteller; Ostermann selbst besuchte die katholische Volksschule in Deutz und lernte einen Druckberuf (Stereotypeur und Galvanoplastiker), in dem er bis um 1930 auch arbeitete.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt als Mundartsänger hatte er 1899 beim Deutzer Schützenfest. Stadtbekannt machte ihn 1907 das Karnevalslied „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“; 1908 gewann er mit „Wä hätt dat vun d’r Tant gedaach“ den Preis der Blütenspiele. 1910 gründete er einen eigenen Musikverlag. Über hundert Lieder werden ihm zugeschrieben, überwiegend auf Kölsch. Noten lesen konnte er nach Darstellung des Köln-Lotsen nicht — er sang die Melodien vor, andere schrieben sie auf (einfach belegt).

Im Juli 1936 brach er bei einem Auftritt in Bad Neuenahr zusammen. Er starb am 6. August 1936 nach einer Magenoperation. Sein Begräbnis auf Melaten am 10. August zog nach übereinstimmender Darstellung etwa 35.000 Menschen an. Sein letztes Lied — heute meist als „Ich mööch zo Foß noh Kölle jon“ bekannt, in den Quellen auch „Heimweh noh Kölle“ — hat er selbst nie auf der Bühne gehört: Es wurde nach seinem Tod fertiggestellt und bei seiner Beerdigung uraufgeführt (einfach belegt, siehe unten).

1967 wurde die Willi-Ostermann-Gesellschaft gegründet. Die Willi-Ostermann-Medaille gilt bis heute als eine der höchsten Auszeichnungen des Kölner Karnevals.

Was in der Erinnerung meist fehlt

Ostermann hat nicht nur kölsche Krätzjer geschrieben. In einem Liederheft der Altstädter von 1972 stehen von ihm auch „Es gibt nur einen deutschen Rhein“ und „Da wo die sieben Berge“ — Lieder, die die Gesellschaft selbst heute so beschreibt, dass sie „in den heutigen Liederheften nicht mehr veröffentlicht werden“. Das ist keine Anklage, sondern eine Beobachtung aus der Quelle: Das Repertoire der Rhein-Lieder um 1900 war national grundiert, und die Auswahl, die heute gesungen wird, ist eine spätere.

Art: Künstler

Status: Historisch

Mehr über Willi Ostermann († 1936): 90 Jahre ohne Willi Ostermann – die Stimme eines kölschen Lebensgefühls

Weitere Künstler im Verzeichnis

Ganzes Verzeichnis
2 Schlawiner
Duo Aktiv

2 Schlawiner

Die 2 Schlawiner waren ein beliebtes Blödel- und Gesangsduo des Kölner Sitzungskarnevals. Seine Anfänge reichen bis …

3 Söck
Künstler Aktiv

3 Söck

Entstehung und Name Die 3 Söck sind eine Kölner Mundart-, Karnevals- und Unterhaltungsgruppe. Ihre Vorgeschichte begann …

Die Band Aach un Kraach, Bandfoto 2025
Band Aktiv

Aach un Kraach

Aach un Kraach bezeichnen sich selbst als „lokalpatriotischen Mundarterguss". Das Quintett aus Bonn und Köln macht …