Der Kölner Karneval zeigt Heri Blum in seinem typischen Kostüm als „ärmer Deuvel“ bei einer Feier.
Wer im Kölner Sitzungskarneval der siebziger und achtziger Jahre unterwegs war, kam an einem Namen kaum vorbei: Heri Blum. Drei Jahrzehnte lang stand er in der Bütt und prägte mit seiner Figur „Ne ärme Deuvel“ das närrische Geschehen in der Domstadt. Mit hagerer Statur, Ringelpulli und einer Mimik, die mehr andeutete als ausspielte, wurde er zu einem Markenzeichen. Sein lakonischer Humor und die kölsche Selbstironie machten ihn in den Sälen unvergesslich.
Die Anfänge in Nippes
Seine ersten Schritte als Büttenredner machte der gebürtige Kölner in der Pfarrsitzung von St. Bonifatius in Nippes. Hier entwickelte sich auch die Bühnenfigur, die ihn berühmt machte. Der „ärme Deuvel“ war kein Klamaukmacher, sondern der leise Beobachter, der mit wenigen Worten und einem trockenen Blick ganze Säle zum Lachen brachte. Blum verkörperte den „kleinen Mann“ aus Köln – bescheiden, schlagfertig und immer mit einem Augenzwinkern.
Meister des Understatements
Während andere im Karneval auf schrille Kostüme und laute Pointen setzten, vertraute Blum auf das Understatement. Wenige Gesten, präzise gesetzte Pointen und eine Mimik, die mehr sagte als tausend Worte. Wenn er dann mit ernster Mine erklärte, Applaus sei das Brot des Künstlers, wussten die Gäste: Jetzt kommt der nächste Treffer.
Netzwerker und Mentor
Blum war nicht nur ein gefeierter Solist, sondern auch ein Mann der Gemeinschaft. Beim Stammtisch Kölner Karnevalisten wirkte er über Jahre, zeitweise als Schatzmeister. Mit dem Nachwuchsverband KAJUJA blieb er eng verbunden. Junge Talente wie Marita Köllner profitierten von seinem Rat – er erklärte ihnen, wie man eine Rede aufbaut, eine Figur glaubhaft macht und das Publikum in den ersten Sekunden für sich gewinnt.
Im Rampenlicht und im Fernsehen
Neben den Sälen war Blum auch im Fernsehen präsent. In WDR-Sendungen wie „Karneval am Rhein“ brachte er seine Figur einem noch größeren Publikum nahe. Seine Auftritte waren stets ein Ruhepol zwischen Musikgruppen und Tanzcorps – und genau das machte seinen besonderen Reiz aus.
Ein viel zu früher Abschied
1997 verstarb Heri Blum mit nur 57 Jahren. Auf dem Melaten-Friedhof fand er seine letzte Ruhestätte. Auf seinem Grabstein steht ein Satz, der ihn wohl am besten beschreibt: „Der Heri, dat wor ene Jode.“ Wer heute den Karneval auf Melaten besucht, findet sein Grab unweit des von Willi Ostermann – und erinnert sich an einen Künstler, der mit leisen Tönen große Wirkung erzielte.