Köln, 13. Februar 1950. Es war eine dieser typischen kölschen Nächte: Der Williamsbau in Köln-Mülheim war festlich geschmückt, die zweite Karnevalssitzung des 1. FC Köln in vollem Gange – als plötzlich ein tierisches Geschenk die Bühne betrat, das Vereinsgeschichte schreiben sollte.
Die Überraschung kam vom Zirkus: Carola Williams, Direktorin des Circus Williams, und ihr Kollege Johann Thelen betraten die Manege mit einem jungen Geißbock an der Leine – ein augenzwinkerndes Präsent für den jungen Fußballclub, der erst zwei Jahre zuvor durch die Fusion von Kölner BC und SpVgg Sülz 07 entstanden war.
„Mir schenke üch e bessje Jlück – un dä jecke Bock dobei!“
Was als närrischer Gag gedacht war, wurde zur Legende: Der Geißbock wurde noch am selben Abend auf den Namen Hennes getauft – zu Ehren von Spielertrainer Hennes Weisweiler, einem der Gründerväter des neuen Vereins.
Vom Zirkus in die Vereinsgeschichte
Kaum jemand im Saal ahnte damals, dass dieser Moment ein Symbol für die Ewigkeit gebar. Der junge Bock – geboren wenige Monate zuvor im Zirkusquartier in Mülheim – war der Sohn einer Ziege aus Thüringen, die man laut Überlieferung während der Kriegsjahre aus einem fahrenden Tierwagen gerettet hatte.
Hennes I. begleitete den FC über 16 Jahre lang. Ob bei Heimspielen, Meisterfeiern oder PR-Terminen – der Geißbock war stets mit dabei. Seine Nachfolger – inzwischen bei Hennes IX. angekommen – prägen bis heute das Bild des Vereins, leben artgerecht im Kölner Zoo und genießen Kultstatus.
Der kölsche Karneval als Wiege des Maskottchens
Der Rosenmontag war in Köln schon immer mehr als nur ein närrischer Feiertag. Für den FC Köln wurde er zum Geburtshelfer einer der bekanntesten Fußballmaskottchen Deutschlands. Das Tier, das als Scherz begann, wurde Sinnbild des Vereinscharakters: unbeugsam, ein bisschen stur, aber stets mit Herz und Humor.
Dass der Geißbock heute auf dem Wappen des Clubs thront, das Stadion regelmäßig besucht und sogar Ehrenmitglied im Verein ist – all das begann an einem ausgelassenen Karnevalsabend im Februar 1950.
Heute: Ein Symbol für mehr als Fußball
Im Jahr 2025 wurde Hennes I. offiziell in die Hall of Fame des 1. FC Köln aufgenommen. Ein weiteres Kapitel in einer Geschichte, die untrennbar mit der Stadt, dem Verein und dem rheinischen Frohsinn verwoben ist.
Was bleibt, ist ein Stück kölsche Identität: Ein Bock, der aus dem Karneval kam – und für immer beim FC blieb.