Porträt
Wicky Junggeburth – Eine Legende des Kölner Karnevals
Sein Lied „Eimol Prinz zo sin“ wurde zum festen Bestandteil vieler Prinzenproklamationen und Prinzeneinzüge. Doch Junggeburths Bedeutung reicht weit über diesen Erfolg hinaus. Als langjähriger WDR-Moderator und Kommentator, als Interpret kölscher Lieder und als Bewahrer historischer Tonaufnahmen ist er zu einer wichtigen Stimme des Kölner Fastelovends geworden.
Sein privates Tonarchiv dokumentiert Jahrzehnte kölscher Karnevalsgeschichte. In Vortragsreihen führt Junggeburth sein Publikum zurück zu historischen Büttenrednern, Liedern und Rundfunksitzungen. Damit bewahrt er nicht nur Erinnerungen, sondern vermittelt sie auch an jüngere Generationen.
Wer ist Wicky Junggeburth?
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Vollständiger Name | Wilfried „Wicky“ Junggeburth |
| Geboren | 17. September 1951 in Köln |
| Beruf | Moderator, Mundartsänger, Karnevalist und Chronist |
| Prinzenamt | Prinz Wilfried I. im Kölner Dreigestirn 1993 |
| Bekanntestes Lied | „Eimol Prinz zo sin“ |
| WDR-Tätigkeit | Moderator und Kommentator von Karnevalssendungen |
| Rosenmontagszug | WDR-Kommentator von 2002 bis 2023 |
| Wohnort | Honrath bei Lohmar |
Junggeburth verbindet mehrere Rollen, die im Karneval häufig getrennt voneinander betrachtet werden. Er steht auf der Bühne, kennt die Geschichte hinter den Liedern und kann historische Entwicklungen fachkundig einordnen. Genau diese Verbindung macht ihn zu einem besonders glaubwürdigen Vermittler des kölschen Brauchtums.
Kindheit, Familie und Herkunft
Wilfried „Wicky“ Junggeburth wurde im Severinsklösterchen in Köln geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in unmittelbarer Nähe des Kölner Zugwegs. Später wuchs er in Köln-Sülz auf und zog 1962 nach Refrath.
Eine wichtige Rolle spielte das Elektrogeschäft seiner Eltern Käthe und Hans. Die Familie betrieb „Radio Junggeburth“ und verkaufte beziehungsweise reparierte unter anderem Radios, Fernseher und Haushaltsgeräte. Für den jungen Wicky war dieses Geschäft zugleich ein Zugang zu einer Welt aus Technik, Medien und Musik.
Sein Vater Hans begann bereits 1949, ausgestrahlte Karnevalssendungen aufzunehmen. Damit legte er den Grundstein für eine Sammlung, die sein Sohn später weiterführte. Die Familie sammelte nicht nur Geräte, sondern auch Stimmen, Lieder und Erinnerungen des kölschen Fastelovends.
So entstand früh eine Verbindung zwischen Junggeburths persönlicher Familiengeschichte und dem medial überlieferten Karneval. Das Radio wurde für ihn zum Archiv der Stadt.
Die frühe Liebe zum Fastelovend
Schon als Kind besuchte Junggeburth den Kölner Rosenmontagszug. Im Alter von zehn Jahren hielt er seine erste Büttenrede bei einer Klassensitzung. Ebenfalls 1961 begann er, eigene Tonaufnahmen zu sammeln und die Sammlung seines Vaters selbstständig fortzuführen.
Sein Interesse galt dabei nicht nur bekannten Hits. Junggeburth beschäftigte sich mit historischen Büttenreden, alten Rundfunksitzungen, musikalischen Couplets und den Persönlichkeiten hinter den Aufnahmen. Aus dem jungen Jecken wurde so im Laufe der Jahrzehnte ein Fachmann für die Geschichte des Kölner Karnevals.
Diese frühe Beschäftigung prägt bis heute seine Arbeit. Junggeburth betrachtet den Fastelovend nicht allein als jährliches Fest, sondern als kulturelles Gedächtnis der Stadt. In alten Liedern und Reden erkennt er politische Themen, gesellschaftliche Veränderungen und typische Formen kölscher Sprache.
Der berufliche Weg außerhalb des Karnevals
1968 begann Wicky Junggeburth eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank. Später arbeitete er als Finanzberater und machte sich beruflich selbstständig.
Dieser bürgerliche Berufsweg bildete eine wichtige Grundlage für seine spätere Prinzen-Session. Die Rolle des Kölner Prinzen ist mit großem Zeitaufwand verbunden. Junggeburth konnte diese Aufgabe auch deshalb übernehmen, weil er beruflich eigenständig war und seine Tätigkeit entsprechend organisieren konnte.
Seine Biografie zeigt, dass eine Karriere im Karneval nicht zwingend mit einer frühen professionellen Bühnenlaufbahn beginnen muss. Bei Junggeburth entwickelte sich die öffentliche Karriere aus einer jahrzehntelangen privaten Leidenschaft.
Prinz Wilfried I.: Das Kölner Dreigestirn 1993

1990 trat Junggeburth der Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr bei. Nur wenige Jahre später erfüllte sich ein Traum, den er bereits in seinem berühmten Lied formulierte: 1993 wurde er als Prinz Wilfried I. Teil des Kölner Dreigestirns.
An seiner Seite standen Bauer Karl Petry und Jungfrau Artur Tybussek. Die Session machte Junggeburth weit über die Grenzen der Nippeser Bürgerwehr hinaus bekannt. Anders als viele Prinzen beschränkte er sich nicht auf repräsentative Auftritte, sondern prägte das Amt auch musikalisch.
Als singender Prinz verband er die traditionelle Rolle des Regenten mit der modernen Figur des Bühnenkünstlers. Im selben Jahr wurde er zum Senatspräsidenten der Nippeser Bürgerwehr ernannt.
Die Prinzen-Session von 1993 war damit der entscheidende Wendepunkt in Junggeburths öffentlicher Laufbahn. Aus dem passionierten Sammler und Karnevalskenner wurde eine weithin bekannte Stimme des Kölner Karnevals.
„Eimol Prinz zo sin“: Das Lied einer Prinzen-Session
Für seine Prinzen-Session entstand das Lied „Eimol Prinz zo sin“. Den Text schrieb Wicky Junggeburth selbst, die Musik stammt von Dieter Steudter von den 3 Colonias.
Der Titel formuliert einen einfachen, aber starken Wunsch: Einmal im Leben Prinz im Kölner Dreigestirn zu sein. Gerade diese Verbindung von persönlichem Traum und allgemeinem Karnevalsgefühl machte das Lied so erfolgreich.
Viele Kölnerinnen und Kölner können sich in diesem Wunsch wiederfinden. Prinz zu sein bedeutet im Kölner Karneval nicht nur, auf einem Wagen zu stehen. Es bedeutet, für eine Session im Mittelpunkt der Stadtgesellschaft zu stehen, Vereine zu besuchen, Menschen zu verbinden und den Fastelovend öffentlich zu verkörpern.
„Eimol Prinz zo sin“ entwickelte sich von einem persönlichen Prinzenlied zu einer festen Karnevalshymne. Bis heute wird es bei Proklamationen, Prinzeneinzügen und Auftritten gesungen.
Vom Ersatzmann zum Solokünstler
1994 sprang Junggeburth für eine Woche als Ersatzmann bei den 3 Colonias ein. Der kurzfristige Einsatz erwies sich als wichtiger Impuls für seine weitere Laufbahn. Er sammelte Bühnenerfahrung als Sänger und merkte, dass seine musikalische Arbeit auch außerhalb des Prinzenamts ein eigenes Publikum erreichen konnte.
Ab 1995 trat Junggeburth als Solokünstler auf. Seine Programme verbanden kölsche Lieder, Moderation, persönliche Geschichten und humorvolle Beobachtungen. Dabei blieb er stets eng mit der Tradition verbunden, ohne ausschließlich auf Nostalgie zu setzen.
Seine Bühnenfigur lebt von Nähe und Glaubwürdigkeit. Junggeburth tritt nicht als distanzierter Historiker auf, sondern als begeisterter Teilnehmer des Karnevals. Er kennt die alten Lieder, kann ihren Entstehungskontext erklären und bringt sie zugleich lebendig auf die Bühne.
Wicky Junggeburth beim WDR
Eine weitere wichtige Säule seiner Karriere wurde die Arbeit für den Westdeutschen Rundfunk. 1996 moderierte Junggeburth erstmals die Sendung „Jecke Tön zur Narrenzeit“ bei WDR 4. Es folgten weitere Moderationen von Karnevalssendungen und Musikformaten.
Im Fernsehen wurde er vor allem als Kommentator des Kölner Rosenmontagszugs bekannt. Sein erster Einsatz am Rosenmontag erfolgte 1996; von 2002 bis 2023 war er über viele Jahre eine feste Stimme der WDR-Übertragung.
Bei der letzten Live-Kommentierung im Jahr 2023 stand Guido Cantz an seiner Seite. Zu seinen langjährigen Weggefährten im WDR-Karneval gehörten außerdem Bruno Eichel, Wolfgang Nagel und Marita Köllner.
Junggeburths Stärke als Kommentator bestand darin, dass er den Zug nicht nur beschrieb. Er erklärte Zusammenhänge, kannte die Traditionen der Gesellschaften und gab den Bildern aus dem Zugweg eine historische und kölsche Einordnung. Der WDR bezeichnete ihn deshalb als Fachmann für den Kölner Fastelovend.
Das große Tonarchiv des Kölner Karnevals
Das Tonarchiv ist ein Kernstück von Wicky Junggeburths Lebenswerk. Die Sammlung geht auf seinen Vater zurück, der bereits 1949 Karnevalssendungen aufnahm. Junggeburth setzte diese Arbeit ab 1961 fort und erweiterte sie über Jahrzehnte.
Heute umfasst das Archiv nach seinen Angaben rund 5.800 Stunden Tonmaterial. Dazu gehören:
- historische Büttenreden
- Rundfunksitzungen
- Karnevalslieder
- musikalische Couplets
- Radiobeiträge
- Mitschnitte von Sitzungen
- seltene private Aufnahmen
- teilweise auch Videomaterial
Vertreten sind unter anderem Stimmen wie Karl Küpper, Hans Hachenberg, Karl Berbuer, Toni Geller und die Vier Botze. Ein Teil der Aufnahmen stammt aus dem Rundfunk, andere Mitschnitte wurden von Sitzungspräsidenten oder privaten Sammlern angefertigt.
Die Digitalisierung der Bänder und Schallplatten ist für Junggeburth eine langfristige Lebensaufgabe. Sein Projekt „Wickymedia“ macht es möglich, historische Aufnahmen gezielt zu suchen und für Vorträge aufzubereiten.
Die Bedeutung dieses Archivs geht über private Liebhaberei hinaus. Es dokumentiert, wie sich Sprache, Humor, Themen und musikalische Formen des Kölner Karnevals verändert haben. Damit ist es eine wichtige Quelle für Forschung, Erinnerungskultur und Brauchtumspflege.
Nostalgie-Karneval und Vortragsreihen
Im Jahr 2000 begann Junggeburth mit der „1. Kölschen Nostalgie-Sitzung“. Im Mittelpunkt standen damals unter anderem die Karnevalsgrößen Karl Berbuer und Thomas Liessem.
Aus dieser Arbeit entwickelte sich ab 2012 die Vortragsreihe „Der kölsche Fastelovend der Nachkriegszeit“. Veranstaltungsort ist das Brauhaus Sion in der Kölner Altstadt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Catherine präsentiert Junggeburth historische Lieder, alte Büttenreden und seltene Tonaufnahmen.
Die Reihe ist keine trockene Geschichtsstunde. Junggeburth erläutert die historischen Hintergründe, erzählt Anekdoten, kommentiert die Sprache und stellt Verbindungen zur Gegenwart her. Die Originalaufnahmen werden dadurch auch für Menschen verständlich, die die damaligen Ereignisse nicht selbst erlebt haben.
Das Format „E Kölsch Intermezzo“ gehört zu den jüngeren Ausprägungen dieser Veranstaltungsreihe. Neben bekannten Karnevalsliedern finden dort auch weniger bekannte und teilweise derbe Texte ihren Platz – darunter Lieder, die früher bei Herrensitzungen oder Scheunenbällen gesungen wurden.
Besonders wichtig ist Junggeburth die Nachkriegszeit. In den Aufnahmen spiegeln sich nicht nur Karneval und Unterhaltung, sondern auch die Themen der damaligen Gesellschaft: Wiederaufbau, politische Konflikte, technische Veränderungen und das Bedürfnis nach gemeinsamer Ablenkung.
Seine Nostalgie-Abende zeigen, dass Karnevalsgeschichte nicht nur aus großen Namen besteht. Auch vergessene Stimmen, lokale Redner und scheinbar beiläufige Lieder erzählen viel über Köln.
Privatleben und Frankreich
Wicky Junggeburth ist seit 1980 mit seiner Ehefrau Catherine verheiratet. Sie lebt nicht nur privat an seiner Seite, sondern unterstützt ihn auch bei organisatorischen und technischen Aufgaben rund um seine Vortragsveranstaltungen.
Das Paar lebt in Honrath bei Lohmar. Der Wohnort bietet Junggeburth einen Rückzugsort außerhalb des öffentlichen Karnevalstrubels. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zu Köln durch Auftritte, Medienarbeit, Archiv und Veranstaltungen bestehen.
Neben Köln und dem Karneval spielt auch Frankreich eine wichtige Rolle in seinem Privatleben. Französische Lebensart, regelmäßige Aufenthalte und familiäre Rückzugsorte bilden einen Gegenpol zur intensiven Beschäftigung mit dem kölschen Fastelovend.
Bedeutung für Köln und den Karneval
Wicky Junggeburth verkörpert mehrere Generationen des Kölner Karnevals zugleich. Er kennt die Nachkriegstradition, hat die moderne Medienpräsenz des Fastelovends mitgeprägt und steht bis heute selbst auf der Bühne.
Seine besondere Bedeutung liegt in der Verbindung von:
- kölscher Musik
- Mundart
- Bühnenunterhaltung
- Rundfunk und Fernsehen
- Vereinskarneval
- historischem Quellenmaterial
- persönlicher Erinnerung
Als Sänger machte er den Traum vom Prinzenamt zu einem Lied. Als Moderator brachte er den Kölner Rosenmontagszug in die Wohnzimmer. Als Archivar bewahrt er die Stimmen vergangener Jahrzehnte. Als Vortragskünstler macht er diese Geschichte wieder hörbar.
Damit ist Junggeburth ein Vermittler zwischen den Generationen. Er zeigt, dass Tradition nicht darin besteht, Vergangenes unverändert zu wiederholen. Tradition lebt vielmehr davon, dass Erinnerungen erklärt, eingeordnet und neu zugänglich gemacht werden.
Sein Vermächtnis besteht deshalb nicht nur aus „Eimol Prinz zo sin“. Es besteht ebenso aus einem einzigartigen Tonarchiv, aus jahrzehntelanger Medienarbeit und aus der Leidenschaft, den Kölner Fastelovend in seiner sprachlichen und musikalischen Vielfalt zu bewahren.
Häufige Fragen zu Wicky Junggeburth
Wer ist Wicky Junggeburth?
Wicky Junggeburth, mit vollständigem Namen Wilfried Junggeburth, ist ein Kölner Moderator, Mundartsänger, Karnevalist und Kenner der Kölner Karnevalsgeschichte.
Wann wurde Wicky Junggeburth geboren?
Er wurde am 17. September 1951 in Köln geboren.
Woher kommt Wicky Junggeburth?
Junggeburth stammt aus Köln. Er wurde im Severinsklösterchen geboren, wuchs unter anderem in Sülz auf und zog 1962 nach Refrath.
Wann war Wicky Junggeburth Kölner Prinz?
Wicky Junggeburth war 1993 als Prinz Wilfried I. Teil des Kölner Dreigestirns.
Was ist „Eimol Prinz zo sin“?
„Eimol Prinz zo sin“ ist das bekannteste Lied von Wicky Junggeburth. Es entstand für seine Prinzen-Session 1993 und wurde zu einer bekannten Kölner Karnevalshymne.
Wer schrieb „Eimol Prinz zo sin“?
Den Text schrieb Wicky Junggeburth selbst. Die Musik komponierte Dieter Steudter von den 3 Colonias.
Wie lange kommentierte Wicky Junggeburth den Rosenmontagszug?
Er war von 2002 bis 2023 regelmäßig als Kommentator des Kölner Rosenmontagszugs im WDR-Fernsehen zu sehen. Sein erster Einsatz am Rosenmontag erfolgte bereits 1996.
Warum ist Wicky Junggeburth für den WDR bekannt?
Er moderierte verschiedene Karnevalssendungen und kommentierte über viele Jahre den Kölner Rosenmontagszug. Außerdem war er als Kenner und Vermittler der kölschen Musik bekannt.
Wie groß ist sein Karnevalsarchiv?
Sein privates Archiv umfasst nach eigenen Angaben rund 5.800 Stunden Tonmaterial sowie einen umfangreichen Bestand an Schallplatten, Tonbändern und Videos.
Was ist „Der kölsche Fastelovend der Nachkriegszeit“?
Dabei handelt es sich um eine Vortragsreihe im Brauhaus Sion, in der Junggeburth historische Karnevalslieder, Büttenreden und Tonaufnahmen präsentiert und in ihren zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnet.
Wo lebt Wicky Junggeburth?
Wicky Junggeburth lebt mit seiner Ehefrau Catherine in Honrath bei Lohmar.
Wo liegen die Wurzeln von Wicky
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