Sie gehören längst zu den spannendsten Stimmen der kölschen Musikszene: Lupo stehen für emotionale Songs, ehrliche Texte und einen Sound, der sich nicht in eine Schublade pressen lässt. Zwischen Karneval und Konzertbühne, zwischen Tradition und Weiterentwicklung hat sich die Band in den letzten Jahren konstant weiterbewegt – und dabei doch ihren Kern behalten. Im Interview sprechen Lupo über ihre aktuelle kreative Phase, ihren Blick auf Köln, das Songwriting im „Saisongeschäft“ und darüber, warum Verbindung auf der Bühne manchmal wichtiger ist als perfekte Präzision.
Wenn ihr Lupo heute in drei ehrlichen Sätzen beschreiben müsstet: Wer seid ihr gerade?
Wir sind gerade so kreativ wie noch nie. Wir lieben es, gemeinsam zu musizieren, und sind hochmotiviert auf alles, was noch kommt.
Was ist trotz aller Veränderungen komplett gleich geblieben?
Die Lust auf Kölsch Musik.
Viele kennen euch vor allem aus dem Karneval. Welche falsche Vorstellung haben Leute oft von euch?
Unser Facettenreichtum wird oft unterschätzt.
Seht ihr euch eher als Karnevalsband, Kölschband oder einfach als Band aus Köln?
Ein guter Cocktail aus allem.
Ihr singt bewusst in Mundart. Was bedeutet euch das wirklich – Sprache, Heimat oder Haltung?
Mit Sicherheit alles davon. Tradition und Kultur ebenfalls. Bestimmt auch ein bisschen Stolz. Also Stolz darauf zu sein, mit dieser Mundart aufgewachsen zu sein.
Wann merkt man sofort: Das ist typisch Lupo?
Wahrscheinlich ist es dann am Ende wirklich der Sound der Geige.
Wie hat sich euer Anspruch an Songs über die Jahre verändert?
Der Anspruch ist glaub ich nie großartig anders geworden. Man versucht natürlich immer eine Schippe draufzulegen und sich weiterzuentwickeln. Da wir aber großteilig in einem Saisongeschäft arbeiten, ist der Anspruch immer da, einen nervanten Song für die Session zu schreiben.
2024 war für euch ein Umbruch – neue Gesichter, neue Konstellation. Wie viel Mut braucht es, in eine bestehende Band einzusteigen?
Eine ordentliche Portion ist da schon angebracht. Der Druck in der ersten Session war enorm. Man wollte einfach alles ehren und bestmöglich auf die Bühnen bringen. Das alte Leben gefühlt abzuschließen und sich auch wirtschaftlich auf die Musik einzulassen, als Vollzeitjob, war ebenfalls ein sehr mutiger Schritt.
Wann habt ihr gemerkt: Das funktioniert wirklich?
Spätestens nach dem ersten Konzert im Piranha. Das Feedback war großartig.
Wenn es um Songs über Köln geht: Wie verhindert man, dass das nur Postkartenromantik wird?
Die Frage ist: Will man das denn verhindern? Ist doch schön, eine Hookline oder ein Zitat von seinem Song auf Postkarten zu lesen.
Ist Köln für euch Sehnsuchtsort oder Alltag?
Köln ist für uns unser nie langweilig werdender Alltag.
Wie entsteht bei euch ein Song – beginnt das eher mit Satz, Gefühl oder Melodie?
Es gab bestimmt schon jeden dieser ersten Reflexe. Es gibt da keine goldene Regel.
Was muss ein Song haben, damit ihr sagt: Das sind wir?
Ein gutes Proberaumgefühl, aber ganz klar auch: Live muss er was übertragen auf die Leute. Es muss nicht immer der Gamechangersong sein. Aber wenn er unser Set und unsere Spielfreude nicht bereichert, dann wird es schwierig.

Und woran merkt ihr, dass aus einer Idee wirklich ein Song wird?
Das passiert in magischen Momenten im Proberaum. Spielen, spielen, spielen. Man gewöhnt sich immer mehr an die Abläufe, man lässt sich in den Song fallen – und irgendwann fühlt es sich an, als wäre das neue Werk schon immer da gewesen.
Wie schnell merkt ihr live, ob ein Abend funktioniert?
Das ist ein Zusammenspiel zwischen uns und dem Publikum. Da merkt man schon frühzeitig, wie viel Resonanz aus dem Saal kommt, ob du dir an dem Abend noch viel erspielen musst oder ob es einfach sofort flowed.
Was ist live wichtiger: Präzision oder Verbindung?
Das sehen wir wahrscheinlich alle etwas unterschiedlich. Vielleicht geht die Tendenz Richtung Verbindung.
Karneval: Zuhause oder Schublade?
Absolut Zuhause.
Wie schützt ihr euch davor, nur noch für die Session zu denken?
Du kannst dich eigentlich nicht komplett davor schützen. Nach der Session ist vor der Session. Du probierst in der Off Season super viel aus, um mit neuen Erkenntnissen ab dem 11.11 die Session zu spielen.
Was nervt euch an der Diskussion über „Karnevalsmusik“?
Es wird viel über Veränderungen gesprochen, die oft auch den Künstlerinnen und Künstlern angehaftet werden. Die Musik ist nur noch laut und so weiter. Manchmal wäre es vielleicht etwas fairer sich zu fragen: Hat sich nur die Musik verändert oder vielleicht der Saal?
Was hat euch Musik persönlich über euch selbst beigebracht?
Wie krass man, neben einem Menschen, etwas lieben kann.
