Ein Kind und ein Erwachsener in Karnevalskostümen, die fröhlich tanzen und lachen, symbolisieren das legendäre Duo Stump und Stümpchen.
In der Geschichte des rheinischen Karnevals gibt es viele große Namen – aber nur wenige, die mit solch unverkennbarem Charme und Witz das Publikum eroberten wie das Mechernicher Duo „Stump und Stümpchen“. Dahinter steckten Eugen Kratz und Karl-Heinz Papenkort, zwei Männer, wie sie unterschiedlicher kaum hätten sein können – und gerade das machte sie so besonders.
Der kleine Stump und der große Stümpchen
„Stump“ alias Eugen Kratz war mit 145 cm der Kleinere des Duos – sein Bühnenpartner „Stümpchen“, alias Karl-Heinz Papenkort, maß stolze 192 cm. Bereits diese imposante Körperdifferenz sorgte auf der Bühne für einen humorvollen Anblick. Und genau dieser Kontrast weckte das Interesse des Mechernicher Festkomitees, das die beiden für ihr Männerballett engagierte. Der Funke sprang sofort über – der Applaus war ihnen sicher.
Die Geburtsstunde des Duos
Ihr Debüt als Büttenredner im Zwiegespräch gaben sie im Jahr 1973. Schon bei einem Vorstellabend in Köln erkannten Kenner ihr Potenzial – und so begann in der Session 1974/75 der kometenhafte Aufstieg der beiden.
Ein Jahr später fiel der Satz, der sie unsterblich machte:
„… und ich mit dem Kardong.“
Er entwickelte sich zu einem geflügelten Wort auf Schulhöfen und Straßen Kölns – ein echter Karnevalsklassiker.
Die Geschichte vom „Kardong“
Die Entstehung dieser legendären Pointe ist ebenso kurios wie karnevalistisch: Kratz war auf der Suche nach Stoff für eine neue Rede, als er in einer Gaststätte einem stark alkoholisierten Mann lauschte, der immer wieder von einem „Kardong“ sowie einem großen und einem kleinen Koffer erzählte. Fasziniert machte sich Kratz Notizen und suchte gemeinsam mit Papenkort nach dem Ursprung dieser absurden Geschichte. Sie fanden schließlich Manfred Torwesten aus Euskirchen, der ungewollt zum kreativen Geburtshelfer der „Kardong“-Erzählung wurde.
So entstand die unvergessene Zeile:
„Dä Vatter met nem gruße Koffer, die Motter met nem kleene Koffer und ich met nem Kartong.“
Von Mechernich nach Köln – und ins ganze Rheinland
Ihr erster Auftritt in Köln erfolgte bei der Karnevalsgesellschaft „Lyskircher Jonge“ – ein echter Ritterschlag in der Hochburg des Fastelovends. Danach folgten zahllose Einladungen, Rundfunksendungen, und schließlich sogar ein Auftritt bei der großen Fernsehsitzung des Festkomitees Kölner Karneval.
Ihre Texte schrieben Kratz und Papenkort stets selbst – mit Notizen, die sie auf alles schrieben, was greifbar war: Streichholzschachteln, Bierdeckel oder sogar Klopapier. Ihr kreativer Geist war immer auf der Jagd nach der nächsten Pointe, dem nächsten Lacher.
Ein abruptes Ende – und ein bleibendes Erbe
1978 kam das unerwartete Ende des Erfolgsduos: Eugen Kratz musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Damit verstummte eine der originellsten Stimmen des rheinischen Karnevals. Doch ihr Vermächtnis bleibt.
Bis heute ist „… und ich mit dem Kardong“ ein geflügeltes Wort – ein Symbol für rheinischen Humor, Sprachwitz und das Talent, aus dem Alltag echtes Kabarett zu machen. Stump und Stümpchen mögen nicht mehr auf der Bühne stehen, aber in den Herzen der Karnevalisten leben sie weiter – klein, groß und urkomisch.