Sie sind noch eine junge Band, haben sich aber bereits einen Namen in der kölschen Musikszene gemacht: Plümo. Die fünf Musiker verbinden traditionelle kölsche Werte mit eigenen Songs, viel Herzblut und einer ordentlichen Portion Spielfreude. Wie die Band entstanden ist, warum die Bläck Fööss für sie eine wichtige Rolle spielen und weshalb das Publikum für sie immer an erster Stelle steht, darüber haben wir mit Plümo gesprochen.
Vom Wohnzimmer zur Kölschband
Wie würdet ihr Plümo musikalisch beschreiben – und was unterscheidet euch eurer Meinung nach von anderen kölschen Bands?
Wir sind ein bisschen das, was unser Bandname auch aussagt. Eine wohlige Decke, die ein heimeliges Jeföhl gibt. Das, was viele kölsche Songs beinhalten: Gemeinschaftsgefühl, ein bisschen Heimatliebe und ganz viel Herz. Und so würden wir auch unsere Songs beschreiben. Natürlich neu und in unserem Sound, aber irgendwie auch vertraut und immer mit etwas darin, bei dem sich die Menschen sofort mitgenommen und eingebunden fühlen sollen.

Ihr seid noch eine vergleichsweise junge Band. Wie habt ihr überhaupt zusammengefunden?
Eigentlich ist es ein riesiger Zufall, dass wir uns zusammengefunden haben. Christian (Gesang) hat bei einem Geburtstag Phil (Gitarre & Gesang) die Klampfe in die Hand gedrückt und da haben die zwei für die Leute im Wohnzimmer ein bisschen gejammt. Irgendwann kamen auch kölsche Lieder dazu und das brachte Phil auf die Idee, das Ganze vielleicht mal zum Spaß mit einem Freund von ihm, Marcel (Schlagzeug), in dessen Proberaum in Mülheim auszuprobieren.
Und wie wurde daraus schließlich eine komplette Band?
Marcel brachte dann auch Alex (Keys) dazu, den er noch aus der Heimat kannte. Unseren Bassisten Dennis (Bass & Gesang) haben wir über Ebay Kleinanzeigen gefunden. Es hat etwa eine Stunde Kennenlernzeit gedauert und dann wussten wir, dass auch Dennis dazugehören wird. So kam irgendwie nach und nach die Band zusammen.
Und der Name Plümo – wie ist der entstanden?
Auf den Namen sind wir gekommen, weil wir den Termin für unseren ersten Auftritt in einer Bar in Ehrenfeld hatten und noch einen Namen brauchten. Plümo klang für uns sehr passend für eine Kölschband.
Musikalische Einflüsse und eigene Handschrift
Fünf Musiker bedeuten auch fünf unterschiedliche musikalische Hintergründe. Welche Künstler oder Bands haben euch geprägt?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, da wir im Grunde fünf Musiker sind, die aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen kommen beziehungsweise vorher auch etwas ganz anderes gemacht haben. Von Electro bis Indie-Pop ist da alles in der Vita schon dabei. Natürlich hat auch jeder einzelne seine musikalischen Vorlieben.
Kann man das an einzelnen Bandmitgliedern festmachen?
Auf jeden Fall. Phil ist ein großer Red-Hot-Chili-Peppers-Fan, Marcel spielt in einer Jazzband, Dennis fühlt Soul, Alex bringt einen Toto-Style mit und Christian hat ein großes Bild von Johnny Cash bei sich zuhause. Das zeigt, dass jeder von uns Musikrichtungen und Einflüsse mitbringt von Künstlern, die man einfach toll findet.
Gibt es trotz aller Unterschiede einen gemeinsamen musikalischen Nenner?
Was das Kölsche angeht, muss man, glaube ich, sagen, dass besonders die Bläck Fööss einen großen Einfluss auf uns haben. Nicht nur haben wir viele Lieder der Band in unserem Coverprogramm, sondern es sind auch gerade Stücke wie „Wenn et Leech usjing em Roxy“ oder „Kölsche Brök“, die auch bandintern immer wieder gerne gespielt werden.
Ohne anmaßend zu klingen, wollen wir das, was die Bläck Fööss in ihren Texten haben – die großen und kleinen Geschichten aus dem Stadtbild, den Humor, aber auch die Ernsthaftigkeit – ein bisschen in unsere eigenen Texte übernehmen. Vielleicht schaffen wir das ja.
Wenn im Proberaum Magie entsteht
Wie entsteht bei euch ganz konkret ein neuer Song? Kommt zuerst der Text, die Melodie oder ein Groove aus dem Proberaum?
Es ist eine Mischung aus allem. Meistens kommt jemand mit einer Idee, einem Schnipsel eines Songs, grob mit der Gitarre auf einer Sprachnachricht eingespielt, in den Proberaum und stellt diese vor.
Und dann?
Dann passiert Magie. Dann hat da jemand eine Idee und dort kommt noch etwas dazu, oder man macht alles nochmal ganz anders. Vielleicht etwas schneller oder doch in einer anderen Tonart. So kommen meistens tolle Dinge zusammen, die dann im besten Falle zu einem Lied werden. Und das bringen wir dann auf die Bühne.
Neben euren eigenen Songs spielt ihr auch viele kölsche Klassiker. Wie entscheidet ihr, welche Stücke ins Programm kommen?
Die Entscheidungen finden immer gemeinsam in der Gruppe statt. Mal schlägt jemand etwas vor und alle finden die Idee total super, oder jeder darf sich mal ein Lied aussuchen, damit jeder auch hier und da seine heimlichen Favoriten im Programm hat.

Kommt ihr dabei immer auf einen gemeinsamen Nenner?
Nicht alle Lieder werden von jedem von uns komplett gemocht. Aber trotzdem haben wir eine Sammlung an Stücken herausgesucht, in der immer für jeden von uns Highlights drin sind, auf die man sich jedes Mal freut.
Und wie stark macht ihr die Songs musikalisch zu euren eigenen?
Was das Musikalische angeht, versuchen wir natürlich, beim Covern schon nah am Original zu bleiben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht bei den meisten Liedern die eine oder andere Idee hätten, um sie doch ein wenig zu unseren Songs zu machen.
Mit „Sing et russ“ habt ihr auch eigene Songs im Repertoire. Was steckt hinter diesem Lied?
„Sing et russ“ ist für uns ein ganz besonderer Song, weil es unser erster eigener war, den wir öffentlich vor Publikum gespielt haben. Bei unserem Auftritt im Goldmund am 7. November letzten Jahres hatten wir eigentlich den Plan, nur Coversongs zu spielen. Aber irgendwie ist in der Vorbereitung dieser Song dazwischen gerutscht.
Worum geht es in dem Stück?
In dem Lied geht es im Grunde um das positive Gefühl, das man bekommt, wenn man im Karneval oder in der Kneipe zusammen singt und mitfeiert, auch wenn es gerade vielleicht nicht so gut läuft. Vor allem durch das Zusammensein und die Magie, wenn Menschen gemeinsam singen, kann es einem danach sofort besser gehen.
Das versuchen wir mit dem Song zu erreichen. Und natürlich ist auch ein Mitsingpart dabei, der genau dazu einladen soll.
Köln, Bühne und Publikum
Welche Rolle spielt Köln selbst für eure Musik? Ist es eher Inspiration, Heimatgefühl oder auch eine Verpflichtung zur Tradition?
Wir haben schon ganz oft nach unseren Auftritten von Menschen im Publikum gehört, die nicht aus Köln kommen oder sonst nicht viel mit kölscher Musik zu tun haben, dass sie sich in dieses Gefühl verliebt haben, das entsteht, wenn in einer Kneipe am 11.11. „En unserem Veedel“ oder „Drink doch eine met“ gesungen wird.
Also eine Mischung aus Heimatgefühl und Tradition?
Wahrscheinlich genau das. In unseren Liedern geht es auch um das, was bei Kölnerinnen und Kölnern Nostalgie und wohlige Wärme auslöst. Wir haben den Dom, die Zoobrücke und die Eckkneipe in unseren Texten mit dabei. Natürlich ist das nichts, was man beim Publikum erzwingen kann. Aber wir sind schon davon überzeugt, dass wir damit etwas auslösen und ganz viel Liebe für Köln vermitteln können.
Wie teilt ihr die Aufgaben innerhalb der Band auf?
Jeder hat ein bisschen seinen Posten. Dennis ist unser Mann für Social Media und Booking, Marcel macht die Technik, Phil die Arrangements und Christian Ideen und Texte. Alex ist als Keyboarder auch beim Entwickeln von Melodien dabei und geht auf mögliche Auftrittsorte zu und spricht dort mit den Veranstaltern.

Klingt schon ziemlich professionell organisiert.
Wir sind noch eine sehr junge Band und da ist noch nichts in Stein gemeißelt. Natürlich helfen wir uns auch gegenseitig aus. Es hilft aber, wenn jeder Bereich einen Verantwortlichen hat, der ein bisschen den Überblick behält. Außerdem hatten wir bisher ganz viel Hilfe von Freunden, die Fotos und Videos gemacht haben oder uns bei Auftritten begleiten. Das hilft gerade am Anfang enorm.
Was war bislang die größte Herausforderung seit eurer Gründung?
Die aktuell größte Herausforderung ist wahrscheinlich genau der Zustand, in dem wir gerade sind. Die ersten Auftritte sind vorbei, das erste Feedback war toll – und jetzt beginnt die manchmal harte, kalte Bandarbeit mit regelmäßigen Proben, Songs schreiben und Möglichkeiten zu generieren, irgendwo aufzutreten, um einfach bekannter zu werden.
Was macht das besonders schwierig?
Dass wir alle auch noch ein „echtes“ Leben haben. Jeder hat Verpflichtungen, wir haben Jobs und Familie. Da bleibt manchmal nicht so viel Zeit, wie man gerne hätte. Natürlich sind wir motiviert bis in die Ohrläppchen, aber wir suchen gerade noch nach einem Weg, das alles unter einen Hut zu bekommen.
Wie wichtig ist euch das Live-Spielen im Vergleich zu Studioaufnahmen und Songproduktion?
Sehr wichtig. Im Grunde war von Tag eins unser Ziel, dass wir alles, was wir machen, auch für das Publikum machen wollen.
Wie reagieren die Leute auf eure eigenen Songs im Vergleich zu Covers?
Mit eigenen Liedern ist das immer ein Sprung ins kalte Wasser. Funktionieren die Songs? Machen die Leute mit? Wie ist das Feedback? Bisher hatten wir Glück, dass die Lieder – obwohl sie vorher niemand kannte – sehr gut angekommen sind. Es gibt sogar schon Favoriten bei Fans, die uns inzwischen mehrfach gehört haben. Das ist schon schön, weil es eben die eigenen Lieder aus unseren Köpfen sind.
Gibt es einen Auftritt, der euch besonders im Kopf geblieben ist?
Unser erster Auftritt im Goldmund war schon sehr magisch. Der Laden war komplett voll und von Lied eins an lief es fantastisch. Rundum einfach ein toller erster Auftritt.
Gab es noch weitere besondere Momente?
Wir haben auch schon in einem Irish Pub in Koblenz gespielt, wo die Stimmung ebenfalls super war. Direkt vor uns saß ein Tisch voller Feierbiester aus den Niederlanden, die jedes Lied abgefeiert haben, obwohl sie wahrscheinlich nichts verstanden haben. Irgendwann stand dann der ganze Pub auf den Stühlen. Das sind tolle Erinnerungen für uns alle gewesen.
Was ist euch bei einem Plümo-Konzert am wichtigsten: Stimmung, Mitsingen, musikalische Qualität oder die Nähe zum Publikum?
Wir finden, dass wir eine gute Mischung liefern. Wir können Party und Eskalation, aber auch Schunkeln und Gänsehautmoment.

Und welche Rolle spielt dabei das Publikum?
Das Publikum ist immer das Wichtigste. Bisher konnten wir den Spaß, den wir selbst auf der Bühne haben, immer an die Menschen weitertragen. Und irgendetwas Besonderes passiert eigentlich immer. Plötzlich steht der zwei Meter große Frontmann Christian vorne mitten in der Menge und schunkelt mit, oder jemand bekommt bei „Bickendorfer Büdche“ eine Cowbell in die Hand gedrückt. Niemand weiß vorher, was passiert. Nicht einmal die Band selbst.
Arbeitet ihr aktuell an neuen Veröffentlichungen?
Tatsächlich haben wir dieses Jahr schon viel Zeit in die Aufnahmen unserer bisherigen Songs gesteckt. Irgendwann wollen wir das Ganze natürlich auch veröffentlichen.
Ist ein eigenes Album schon ein Thema?
Ein erstes eigenes Album wäre natürlich ein Traum. Aber dafür braucht es noch Zeit, Geld und davon wahrscheinlich jeweils das Doppelte. Die Ideenschublade ist bei uns zum Glück immer gut gefüllt. Wer uns folgt, kann sich definitiv auf viele neue Lieder in naher Zukunft freuen, die auch ganz anders sind als unsere bisherigen.
Zum Schluss: Wo wollt ihr mit Plümo in den nächsten ein bis zwei Jahren stehen?
Hoffentlich noch immer mit dem gleichen Spaß, den wir jetzt auf der Bühne haben. Das ist im Grunde alles, was wir wollen. Egal wie klein die Bühne oder die Ecke in der Kneipe ist – wir quetschen uns da rein und geben zwei Stunden lang alles.
Und was wäre für euch ein echter Meilenstein?
Wie unsere Auftritte dann aussehen werden, wird die Zeit zeigen. Werden die Bühnen größer? Dürfen wir irgendwann auch im Sitzungskarneval auftreten? Wer weiß.
Hauptsache, wir bleiben zusammen und machen das, was uns und dem Publikum Spaß macht: kölsche Musik. Egal ob unsere eigenen Lieder oder die von anderen tollen Künstlern, die wir hier in der Stadt haben.
Wir können nur jeden dazu einladen, uns eine Chance zu geben und uns einmal live zu besuchen. Oder uns zu kontaktieren, wenn ihr eine Kneipe oder einen Ort habt, an dem Menschen gerne Musik hören. Wir haben auf jeden Fall Bock – und ein Spektakel wird es mit uns immer.