Ferdi Leisten, eine bekannte Figur des Kölner Karnevals, in traditionellem Kostüm mit Sektglas bei einer Karnevalsveranstaltung.
Frühe Jahre und berufliche Laufbahn
Ferdi Leisten wurde am 2. März 1914 in Köln geboren und wuchs in einer traditionsbewussten Familie auf. Sein Vater führte ein erfolgreiches Ofenbauunternehmen, das Ferdi nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm und weiter ausbaute. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit entdeckte er bereits in den 1930er Jahren seine Leidenschaft für die Vollblutzucht und den Pferdesport.
Während der letzten Kriegsmonate bewies Leisten großen Einsatz, als er zahlreiche in Gotha internierte Zuchtpferde in den Westen Deutschlands überführte. Darunter befand sich auch der gesamte Bestand des renommierten Gestüts Zoppenbroich. Dank seines unermüdlichen Engagements konnte bereits 1946 der Rennbetrieb auf der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch wieder aufgenommen werden. Dies war ein wichtiger Meilenstein für die deutsche Rennsportkultur.
Engagement im Kölner Karneval
Mitgliedschaft und Aufstieg in der EhrenGarde
Der Kölner Karneval war Ferdi Leisten praktisch in die Wiege gelegt: Bereits sein Vater war 1927 Karnevalsprinz in Köln. Inspiriert von dieser Familientradition trat er der Karnevalsgesellschaft Große Kölner bei und engagierte sich aktiv im karnevalistischen Geschehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er 1946 das Amt des Präsidenten der EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V. und leitete eine erfolgreiche Neuausrichtung der Gesellschaft ein. Unter seiner Führung wurde der „Kreis der Freunde der EhrenGarde“ ins Leben gerufen, der später als Senat institutionalisiert wurde und bis heute ein fester Bestandteil der Organisation ist. Durch geschicktes Management und innovative Ideen verlieh er der EhrenGarde neuen Glanz und etablierte sie als eines der wichtigsten Korps im Kölner Karneval.
Prinz Karneval und Präsident des Festkomitees
1959 wurde Leisten selbst zum Prinz Karneval gekürt und bildete gemeinsam mit Heinz Bonjean (Bauer) und Werner von Meer (Jungfrau) das Dreigestirn, das ausschließlich aus Mitgliedern der EhrenGarde bestand. Dieses Jahr war ein besonderes Highlight seiner Karnevalslaufbahn, denn es stand für eine Zeit des Umbruchs und der Weiterentwicklung des Karnevals nach den schweren Kriegsjahren.

Noch im selben Jahr trat er als Präsident der EhrenGarde zurück, um sich einer noch größeren Aufgabe zu widmen: 1963 wurde er zum Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval gewählt. In dieser Funktion blieb er bis 1973 und prägte das Festkomitee mit seiner visionären Führung. Anschließend wurde er für seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Initiativen und Verdienste
Professionalisierung des Karnevals
Während seiner Amtszeit setzte Ferdi Leisten zahlreiche Impulse zur Modernisierung und Strukturierung des Kölner Karnevals. Er trieb die Entwicklung hin zu einem professionell organisierten und finanziell abgesicherten Fest voran.

1955 initiierte er die Gründung des „Großen Senats“ und die Etablierung des „Hauses des Kölner Karnevals mit Heimatmuseum“. Diese Einrichtung dient bis heute als zentrale Anlaufstelle für Karnevalisten und Geschichtsinteressierte.
Ein weiteres Herzensprojekt war die Errichtung von Denkmälern für legendäre Karnevalisten wie Karl Berbuer und Jupp Schmitz. Um diese Vorhaben zu realisieren, sammelte Leisten eigenhändig Spenden und organisierte Benefizveranstaltungen.
Soziales Engagement
Ferdi Leisten war nicht nur ein leidenschaftlicher Karnevalist, sondern auch ein Mensch mit großem sozialem Engagement. Er war Initiator von Karnevalssitzungen und Ausflugsfahrten für die Bewohner der Riehler Heimstätten. Diese Tradition wird bis heute von der EhrenGarde fortgeführt und stellt einen wichtigen Bestandteil des karitativen Engagements des Kölner Karnevals dar.
Pferdezucht und Rennsport
Neben seinem unermüdlichen Einsatz für den Karneval war Ferdi Leisten eine Schlüsselfigur im deutschen Galopprennsport.
Ab 1963 war er 31 Jahre lang Auktionator bei den renommierten Baden-Badener Jährlingsauktionen. Mit seiner Fachkenntnis und seinem Charisma machte er diese Veranstaltungen zu einem bedeutenden Ereignis in der Pferdezucht-Szene.
Als Präsident der 1988 gegründeten Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG) setzte er sich für den Bau eines modernen Auktionsgebäudes ein und schuf eine professionelle Plattform für den Handel mit Spitzenpferden. Darüber hinaus war er Präsident der Besitzvereinigung für Vollblutzucht und Rennen sowie Vorsitzender der Zuchtkommission im Galoppverband.
Mit der ungarischen Gräfin Margit von Batthyány betrieb er die Zucht von Rennpferden auf dem renommierten Gestüt Erlenhof in Bad Homburg. Seine Passion und sein Engagement machten ihn zu einer der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Vollblutzucht.
Ehrungen und Vermächtnis
Ferdi Leisten wurde für seine Verdienste mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sein Wirken hinterließ tiefe Spuren im Kölner Karneval und im deutschen Pferdesport.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Kölner Melaten-Friedhof, wo sein Grab noch heute von Karnevalisten und Pferdesportfans besucht wird.
Seit 2004 wird in Iffezheim das „Ferdinand Leisten-Memorial“ ausgetragen, das mit 200.000 Euro das höchstdotierte Rennen für Zweijährige in Deutschland ist. Dieses prestigeträchtige Rennen ehrt sein unermüdliches Engagement für den Rennsport und stellt sicher, dass sein Name auch in Zukunft untrennbar mit dem Galopprennsport verbunden bleibt.