Wenn man in Köln vom klassischen Büttenredner spricht, der mit Herz, Witz und Menschenfreundlichkeit die Säle zum Lachen brachte, fällt früher oder später ein Name: Hans Bols, besser bekannt als „Et Botterblömche“.
Geboren wurde er am 2. September 1937 in Krefeld – und schon früh zeichnete sich ab, dass dieser Mann mehr konnte, als nur Haare schneiden. Denn bevor er die Bühne eroberte, war Hans Bols Friseurmeister mit eigenem Salon. Mit Kamm, Schere und Charme war er im Alltag genauso beliebt wie später auf der Bühne. Vielleicht war genau dieser Beruf das beste Training: Er lernte, Menschen zuzuhören, ihre Eigenheiten zu beobachten – und das Leben mit einem Augenzwinkern zu betrachten.
Vom Friseurstuhl in die Bütt
Sein karnevalistischer Werdegang begann in seiner Heimatstadt Krefeld. Als Mitglied der KG Grün-Weiß Grönland entdeckte er die Freude an der Bütt. Die Menschen liebten seine natürliche Art, seine Beobachtungsgabe und seine feine Sprache. Ein Auftritt bei einem WDR-Wettbewerb für Nachwuchsredner öffnete ihm schließlich die Türen zur großen rheinischen Bühne.
Fortan wurde Hans Bols zu einem festen Bestandteil der großen Sitzungen in Köln, Bonn und im ganzen Rheinland. Sein Markenzeichen war eine kleine Stoffblume, das „Botterblömche“, das ihm den Künstlernamen gab und das er stets in der Hand hielt. Diese Blume war mehr als Requisite – sie war Symbol für seine Sanftheit, für die zarte Seite des Karnevals, die im Lärm der großen Pointen manchmal verloren geht.
Die Kunstfigur: Ein Poet in der Bütt
„Et Botterblömche“ war keine grelle Bühnenfigur, kein laut polternder Komiker. Hans Bols stand da – ruhig, freundlich, mit einem verschmitzten Lächeln – und begann zu erzählen. Seine Auftritte waren Erzählkunst in Reinform: kleine Geschichten, voll von Alltagsbeobachtungen, menschlichen Schwächen und liebevoller Ironie.
Er sprach über Nachbarn, über Eheleute, über das Leben an sich – nie böse, nie verletzend, immer mit einem Augenzwinkern. Er verkörperte die Figur des weisen, gutmütigen Erzählers, der sich selbst nie zu ernst nahm. In seiner Büttenrede war immer Platz für Mitgefühl, für Wärme, für das Herz hinter dem Witz.
Seine Sprache war bildhaft, fein, fast lyrisch. Manchmal lehnte er sich leicht an kölsche Mundart an, doch stets blieb er verständlich für alle. Er schaffte es, dass die Leute lachten und zugleich das Gefühl hatten, verstanden zu werden.
Leise Töne, große Wirkung
In einer Zeit, in der der Karneval oft von lauten Figuren, grellen Kostümen und schnellen Pointen geprägt war, blieb „et Botterblömche“ seiner Linie treu: leise, charmant, menschlich.
Er brachte das Publikum nicht mit platten Gags zum Lachen, sondern mit feiner Beobachtung. Seine Kunstfigur war wie eine kölsche Seele in Reinkultur – humorvoll, herzlich, selbstironisch, aber nie derb.
Wenn Hans Bols die Bühne betrat, wurde es zunächst still. Dann kam das Lächeln. Und am Ende: tosender Applaus. Es war, als wüsste jeder im Saal, dass hier einer steht, der mit den Menschen lacht, nicht über sie.
Ein Künstler, der bleiben wollte, was er war
Trotz seines Erfolgs blieb Hans Bols immer ein Mann des Volkes. Der Friseursalon blieb sein Rückzugsort, seine Werkstatt des Alltags. Dort beobachtete er, dort fand er die Figuren, die später in seinen Reden wieder auftauchten. Er verstand es, den Humor aus dem echten Leben zu schöpfen – aus Gesprächen, kleinen Missverständnissen, aus dem, was uns alle verbindet.
Ein Kampf für die Kunst
In den späten 1990er-Jahren schrieb Hans Bols unfreiwillig Rechtsgeschichte: Nachdem das Finanzamt ihn gewerblich einstufen wollte, kämpfte er um die Anerkennung als Künstler – und gewann. Der Fall wurde ein Präzedenzfall für viele Bühnenkünstlerinnen und -künstler im Karneval, die seither steuerlich als Kunstschaffende gelten. Es passte zu ihm, dass er auch hier – ruhig, sachlich, aber entschlossen – für Gerechtigkeit einstand.
Gesundheitliche Rückschläge und ungebrochene Leidenschaft
In den letzten Jahren seines Lebens war Hans Bols gesundheitlich stark angeschlagen. Nach einer schweren Nierenerkrankung und einer Transplantation stand er dennoch wieder auf der Bühne. Freunde und Kollegen erzählen, dass er den Karneval als Lebenselixier bezeichnete – als etwas, das ihm Kraft gab, weiterzumachen. Selbst wenn er sich körperlich schonte, ließ er es sich nicht nehmen, aufzutreten. Er wusste: Solange er sprechen konnte, konnte er auch lachen – und andere zum Lachen bringen.
Der Abschied eines Großen
Am 13. August 2005 verstarb Hans Bols im Alter von 67 Jahren. Sein Tod hinterließ eine Lücke im rheinischen Karneval, die bis heute spürbar ist. In vielen Sitzungen wird sein Name noch immer genannt, wenn von den großen Rednern der alten Schule die Rede ist.
Das Vermächtnis des Botterblömche
Hans Bols hat nie geschrien, nie provoziert, nie auf Kosten anderer gelacht – und genau das machte ihn unvergessen. Er war der Beweis, dass Humor Herz braucht, dass Witz auch Sanftmut haben kann. Seine Kunstfigur „et Botterblömche“ bleibt Sinnbild für den leisen, klugen, menschlichen Karneval.
Wer heute alte Aufnahmen seiner Auftritte sieht, erkennt: Hier stand ein Mann, der das Leben verstand. Einer, der wusste, dass Lachen nur dann echt ist, wenn es von Herzen kommt. Und dass selbst eine kleine Blume auf der Bühne genügen kann, um ein ganzes Publikum zu verzaubern.