Großprojekt des Festkomitees soll Tradition bewahren und gleichzeitig neue Wege gehen
Köln – Der Kölner Karneval ist mehr als nur Feiern: Er ist Identität, Heimatgefühl und gelebtes Brauchtum. Doch in einer sich wandelnden Gesellschaft mit immer mehr digitalen Einflüssen, wachsender Diversität und sinkender Vereinsbindung stellt sich die Frage: Wie sieht der Karneval der Zukunft aus?
Diese Frage stellt sich auch das Festkomitee Kölner Karneval – und gibt mit dem am Montagabend präsentierten Projekt „Alaaf 2040“ eine ambitionierte Antwort. „Es geht darum, die Seele des Karnevals zu bewahren, aber seine Form der Zeit anzupassen“, erklärte Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn bei der Vorstellung auf dem traditionellen Präsidentenabend in der Flora.
Herausforderungen für ein lebendiges Brauchtum
Die Ausgangslage ist klar: Rund 600.000 Kölnerinnen und Kölner sind heute nicht in Köln geboren. Viele von ihnen kennen den Karneval zwar, fühlen sich aber nicht selbstverständlich als Teil der Tradition. Gleichzeitig verändern sich die Kommunikationsgewohnheiten, gerade bei jungen Menschen. TikTok statt Stammtisch, WhatsApp statt Elferrat – wie erreicht man diese Gruppen?
„Alaaf 2040“ will genau hier ansetzen – mit einer Bestandsaufnahme, mit Interviews und mit einem offenen Blick auf die Zukunft. Dafür werden in einem ersten Schritt Studien aus den letzten 15 Jahren ausgewertet, unter anderem von der Boston Consulting Group und der Rheinischen Hochschule Köln. Ergänzt wird das durch Gespräche mit Aktiven und Neulingen im Karneval.
Aufbruch mit Bodenhaftung
Strategisch begleitet wird das Projekt von der Kölner Beratungsfirma Valoress – kostenfrei, versteht sich. „Wir glauben an den Wert dieser Kulturform“, so Geschäftsführer Thomas Neumann. Wichtig sei, dass nicht einfach modernisiert werde, sondern dass echte Impulse aus der Stadtgesellschaft aufgegriffen würden.
Das bedeutet: Es geht nicht um mehr Instagram-Präsenz allein. Es geht um die Frage, wie sich Menschen mit Migrationshintergrund oder ohne karnevalistische Biografie willkommen fühlen können – in Gesellschaften, Sitzungen und auf der Straße.
Zwischen Digitalisierung und Tradition
Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung. Wie kann der Karneval im digitalen Raum präsent sein, ohne seine Ursprünglichkeit zu verlieren? Wie lassen sich etwa virtuelle Formate sinnvoll ergänzen, ohne den Straßenkarneval zu ersetzen?
„Karneval lebt von Nähe und Begegnung – aber das heißt nicht, dass man TikTok oder digitale Mitgliedsformate ausschließen muss“, so Kuckelkorn. „Wir müssen dort sein, wo die Menschen sind.“
Ziel: Ein Fahrplan bis 2040
Bis Ende 2026 will das Festkomitee konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln. Diese sollen sowohl dem organisierten Karneval als auch den Veedelsvereinen helfen, zukunftsfähige Konzepte umzusetzen. Möglich seien neue Mitgliedsmodelle, partizipative Veranstaltungsformate oder gezielte Integrationsprojekte.
Kuckelkorn betont: „Karneval ist offen für alle – aber das muss man auch sichtbar und erlebbar machen.“
Ein Fest bleibt ein Fest – auch in 15 Jahren
Am Ende soll „Alaaf 2040“ keine Revolution sein, sondern eine Evolution. Ein Fahrplan für den Erhalt einer Kölner Herzensangelegenheit in einer sich wandelnden Welt. Der Sitzungskarneval soll weiterleben, der Rosenmontagszug rollen – aber mit dem Bewusstsein, dass jede Generation ihre eigenen Zugänge braucht.
Denn: „Wenn der Karneval in 15 Jahren noch genauso funktioniert wie heute, aber von deutlich mehr Menschen mitgetragen wird, dann haben wir alles richtig gemacht“, sagt Kuckelkorn – und hebt das Glas: „Auf Köln. Auf das Leben. Und auf den Karneval.“