Am 16. Februar 1938 ging Paula Zapf als erste Frau in die Geschichte des Kölner Karnevals ein, die offiziell die Rolle der „Jungfrau“ im traditionsreichen Dreigestirn übernahm. Die damals 19-jährige Kölnerin aus Nippes wurde im prunkvollen Gürzenich zur „Ihre Lieblichkeit Paula I.“ gekrönt – ein Ereignis, das sowohl gefeiert als auch kritisch beäugt wurde.
Wer war Paula Zapf?
Paula Zapf wurde 1918 in Köln geboren. Ihr Vater war Posaunist beim Reichssender Köln, ihre Mutter arbeitete in der Gastronomie. Beruflich war Paula bei der Firma Bierbaum-Proenen angestellt, einem traditionsreichen Kölner Textilunternehmen, das ihr sogar das aufwendige Kostüm sponserte. Sie war keine Bühnendarstellerin, keine Tochter aus gutem Hause – sondern ein echtes kölsches Mädchen, das unverhofft zur Karnealsikone wurde.

Politische Anordnung statt Brauchtumspflege
Was zunächst wie ein modern anmutender Fortschritt klang, hatte einen dunklen Hintergrund: Die NSDAP ordnete an, dass alle weiblichen Rollen im Karneval – einschließlich der seit 1872 von Männern dargestellten Jungfrau – künftig nur noch von Frauen gespielt werden durften. Hintergrund war eine von der Partei propagierte „männliche Tugendhaftigkeit“, gepaart mit tiefsitzender Homophobie.
Die örtlichen Karnevalsgesellschaften mussten sich fügen – ob sie wollten oder nicht. Gauleiter Josef Grohé persönlich soll maßgeblich hinter der Entscheidung gestanden haben. Die freiwillige Tollität wurde zur politischen Figur.

Jubel und stille Ablehnung
Zwar wurde Paula Zapf im Gürzenich mit großem Applaus empfangen. Der damalige Oberbürgermeister Karl Georg Schmidt lobte sie überschwänglich mit den Worten:
„Du bist kein verkappter Mann – solch Schönheit nur die Frau uns schenken kann.“
Doch nicht alle waren begeistert. Viele Traditionalisten sahen in der weiblichen Jungfrau einen Bruch mit dem rheinischen Brauchtum. Auch ihr Mitstreiter Prinz Peter Schupp zeigte sich wenig erfreut und sprach später von einem „Zwang“, der über dem Dreigestirn lag.
Paula selbst wurde trotz ihrer Rolle später nicht in die Reihen der ehemaligen Dreigestirnsmitglieder aufgenommen. Sie blieb eine Ausnahme – nicht gefeiert, sondern lange Zeit ignoriert.
Ein kurzer, aber symbolischer Wandel
Schon im folgenden Jahr, 1939, folgte Else Horion als zweite und letzte weibliche Jungfrau im Kölner Karneval. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte man demonstrativ zur alten Tradition zurück: Die Jungfrau wurde wieder von einem Mann dargestellt – ein stiller Widerstand gegen das ideologische Erbe der NS-Zeit.
Das Leben nach der Session
Paula Zapf heiratete später, bekam 1945 ein Kind mit Behinderung, ließ sich scheiden und lebte bis zu ihrem Tod 2005 in Köln unter dem Namen Paula Kriske. Sie blieb zeitlebens mit dem Karneval verbunden, auch wenn ihre Rolle im offiziellen Narrengedächtnis lange nur am Rande Erwähnung fand.
Ein mutiges Gesicht der Geschichte
Heute wird Paula Zapf von Historikern als Symbol dafür gewürdigt, wie selbst harmlose Rituale wie der Karneval von autoritären Regimen vereinnahmt werden können – und wie Menschen, oft ungewollt, zu Spielfiguren politischer Willkür werden.
Paula Zapf war keine Aktivistin. Sie war keine Widerstandskämpferin. Aber sie war die erste weibliche Jungfrau im Kölner Karneval – und das macht sie zu einer Figur, an die sich das närrische Köln erinnern sollte.