Porträt
Paula Zapf: Die erste Frau als Kölner Jungfrau
Paula Zapf schrieb 1938 Geschichte im Kölner Karneval. Als „Paula I.“ war sie die erste Frau, die offiziell die Jungfrau im Kölner Dreigestirn verkörperte. Die damals 19-jährige Kölnerin wurde im Gürzenich proklamiert und stand gemeinsam mit Prinz Peter Hubert Schupp und Bauer Johannes Wiesbaum im Mittelpunkt der Session.
Auf den ersten Blick klingt ihre Geschichte nach einem frühen Erfolg für Frauen im Karneval. Tatsächlich hatte ihre Ernennung jedoch einen politischen Hintergrund. Die Nationalsozialisten drängten darauf, dass weibliche Rollen im Karneval nicht länger von Männern dargestellt wurden. Die Geschichte von Paula Zapf ist deshalb zugleich eine Karnevalssensation, ein Beispiel für politische Einflussnahme und ein Spiegel der damaligen Geschlechterpolitik.
Wer war Paula Zapf?
Agnes Paula Zapf wurde am 17. März 1918 in Köln geboren und wuchs in Köln-Nippes auf. Ihr Vater Rudi Zapf war Posaunist beim Reichssender Köln, ihre Mutter Theresa arbeitete in einem Kölner Lokal.
Vor ihrer kurzen Karriere als Kölner Jungfrau führte Paula Zapf ein unauffälliges Leben. Sie arbeitete beim Kölner Bekleidungsunternehmen Bierbaum-Proenen, wo sie in der Hemdenausgabe beschäftigt war. Das Unternehmen feierte 1938 sein 125-jähriges Bestehen und unterstützte die aufwendige Ausstattung der neuen Jungfrau.
Paula Zapf war keine bekannte Bühnendarstellerin und keine langjährige Karnevalistin. Sie wurde vielmehr als junge Kölnerin aus dem Volk präsentiert – und kam eher unerwartet zu ihrer historischen Rolle.
Warum wurde Paula Zapf zur Kölner Jungfrau?
Die Figur der Jungfrau symbolisiert im Kölner Dreigestirn die Stadt Köln beziehungsweise die „Mutter Colonia“. Obwohl die Rolle weiblich ist, wurde sie traditionell von Männern dargestellt. Diese Praxis war im männerdominierten Vereinskarneval über Jahrzehnte selbstverständlich.
Während der NS-Zeit geriet diese Tradition jedoch unter politischen Druck. Das nationalsozialistische Regime lehnte Männer in Frauenkleidung ab und verband solche Rollen mit seinem homophoben Weltbild. Gleichzeitig wurden homosexuelle Männer systematisch verfolgt.
Die weibliche Besetzung der Jungfrau war deshalb kein Schritt zur Gleichberechtigung. Frauen sollten nicht grundsätzlich mehr Einfluss im Karneval erhalten. Vielmehr wollten die Nationalsozialisten verhindern, dass ein Mann eine weibliche Figur verkörperte.
Nach den überlieferten Darstellungen stand insbesondere der Kölner Gauleiter Josef Grohé hinter dem politischen Druck. Der damalige Präsident des Festausschusses Kölner Karneval, Thomas Liessem, musste eine geeignete Frau für die Rolle finden und schlug schließlich Paula Zapf vor. Auch persönliche Kontakte und die Verbindung zu ihrem Arbeitgeber Bierbaum-Proenen spielten bei der Auswahl eine Rolle.
Paula I. wird im Gürzenich proklamiert
Am 16. Februar 1938 wurde Paula Zapf im Kölner Gürzenich als „Jungfrau Paula I.“ proklamiert. Sie war zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt. Zum ersten Mal stand damit eine Frau offiziell an der Spitze des Kölner Dreigestirns.
Das ungewöhnliche Dreigestirn erhielt große Aufmerksamkeit. Paula Zapf wurde vom Publikum mit Applaus empfangen und über den Rundfunk weit über Köln hinaus bekannt. Zeitungen berichteten ausführlich über die junge Frau, die plötzlich eine der wichtigsten Rollen des Kölner Karnevals übernommen hatte.
Trotz der öffentlichen Begeisterung blieb die politische Dimension bestehen. Die neue Besetzung war nicht aus einer Bewegung für mehr Frauenrechte entstanden, sondern durch den Druck einer Diktatur. Paula Zapf selbst war nicht die Initiatorin dieser Veränderung. Sie war eine junge Angestellte, die für eine politisch gewünschte Rolle ausgewählt wurde.

Zwei weibliche Jungfrauen in Folge
Paula Zapf blieb nicht die einzige Frau in dieser Funktion. In der Session 1939 folgte ihr Else Horion als zweite offiziell proklamierte weibliche Jungfrau. Horion arbeitete als Kindergärtnerin im Werkskindergarten des Kölner Schokoladenunternehmens Stollwerck.
Für 1940 war mit Elfriede Figge bereits eine weitere Frau vorgesehen. Wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs fand jedoch kein regulärer Kölner Karneval mehr statt. Damit endete die kurze Phase weiblicher Jungfrauen im offiziellen Dreigestirn.
Nach dem Krieg kehrte der Kölner Karneval wieder zur traditionellen Besetzung zurück. Die Jungfrau wurde erneut von einem Mann dargestellt. Begründet wurde dies damit, dass die weibliche Besetzung ein politisch erzwungener Eingriff der Nationalsozialisten gewesen sei.
Was geschah nach ihrer Karnevalssession?
Nach ihrer historischen Session verschwand Paula Zapf weitgehend aus der Öffentlichkeit. Sie heiratete zunächst Kurt Runge und bekam 1945 einen Sohn. Nach der Scheidung heiratete sie 1968 Karl Julius Kriske und führte fortan den Namen Paula Kriske.
Ihr späteres Leben verbrachte sie weitgehend außerhalb des organisierten Karnevals. Besonders widersprüchlich war, dass sie und Else Horion trotz ihrer offiziellen Rolle nicht in die Traditionsgemeinschaft ehemaliger Prinzen, Bauern und Jungfrauen aufgenommen wurden. Auch ein Vorstoß im Jahr 1988 führte nicht zu einer Aufnahme.
Im hohen Alter wurde Paula Zapfs historische Bedeutung wieder stärker wahrgenommen. Während der Session 2005 besuchte die EhrenGarde der Stadt Köln die ehemalige Jungfrau in den Riehler Heimstätten. Wenige Monate später starb Paula Zapf im Alter von 87 Jahren in Köln.
War Paula Zapf eine Pionierin?
Paula Zapf war keine Aktivistin und kämpfte nach allem, was bekannt ist, nicht für eine Öffnung des Dreigestirns für Frauen. Ihre Ernennung war ursprünglich auch nicht als frauenpolitischer Fortschritt gedacht.
Trotzdem bleibt sie eine Pionierin des Kölner Karnevals. Sie war die erste Frau, die offiziell eine Figur des Kölner Dreigestirns verkörperte. Sie absolvierte die Session, trat öffentlich auf und bewies, dass eine Frau diese repräsentative Rolle ausfüllen konnte.
Beide Perspektiven gehören zusammen: Die politische Motivation ihrer Ernennung muss kritisch betrachtet werden. Gleichzeitig darf ihre eigene historische Leistung nicht dadurch unsichtbar werden.
Am 16. Februar 1938 ging Paula Zapf als erste Frau in die Geschichte des Kölner Karnevals ein, die offiziell die Rolle der „Jungfrau“ im traditionsreichen Dreigestirn übernahm. Die damals 19-jährige Kölnerin aus Nippes wurde im prunkvollen Gürzenich zur „Ihre Lieblichkeit Paula I.“ gekrönt – ein Ereignis, das sowohl gefeiert als auch kritisch beäugt wurde.

Warum Paula Zapf heute noch wichtig ist
Die Geschichte von Paula Zapf zeigt, wie eng Karneval, Politik und gesellschaftliche Strukturen miteinander verbunden sind. Ein scheinbar harmloser Brauch wurde während der NS-Zeit politisch beeinflusst. Eine junge Frau wurde dadurch zur historischen Figur, obwohl ihre Ernennung nicht aus einem Streben nach Gleichberechtigung hervorging.
Zugleich macht Paula Zapfs Biografie sichtbar, wie lange Frauen im organisierten Kölner Karneval benachteiligt wurden. Sie durfte 1938 eine der prominentesten Rollen übernehmen, wurde später jedoch nicht gleichberechtigt in die Gemeinschaft ehemaliger Tollitäten aufgenommen.
Paula Zapf war nur eine Session lang Kölner Jungfrau. Dennoch bleibt ihr Name dauerhaft mit der Geschichte des Kölner Dreigestirns verbunden. Ihre Biografie ist keine einfache Heldinnengeschichte, sondern ein Beispiel dafür, wie widersprüchlich historische Veränderungen sein können.
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