Hintergrund

Goethes Verbundenheit mit dem Kölner Karneval

Am 29. Januar 1825 bat Heinrich von Wittgenstein Goethe, dem Kölner Karneval ein Lied zu spenden, um das Fest zu bereichern und sein Gedächtnis zu bewahren. Goethe schrieb daraufhin das Gedicht „Der Kölner Mummenschanz“, das am 9. Februar zusammen mit Wilhelm Smets' Antwortgedicht in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht wurde.

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Johann Wolfgang von Goethe und der Kölner Karneval

Ende Februar 1824 fährt an einem warmen Nachmittag herannahend ein geräumiger Reisewagen in die Breite Straße ein und hält direkt vor dem Hotel „Kaiserlicher Hof“. Es ist Karnevalszeit, und das vaterstädtische Fest – das mit so viel Glück bereits im Jahre 1823 neu ins Leben gerufen wurde – hat zahlreiche Fremde aus nah und fern angezogen. Die Gasthöfe sind überfüllt, der Trubel ist groß.

Goethe inspiziert den neu entstandenen Karneval

Trotz des Trubels eilt Herr Disch, der Wirt des „Kaiserlichen Hof“, zur Tür und öffnet den Schlag der Kutsche. Und so ensteigt niemand geringerer als der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe der Kutsche. Goethe bereist inkognito die Stadt, meidet Begegnungen mit den Würdenträgern und wird nur von wenigen erkannt. Am Abend des Rosenmontags 1824 taucht er schließlich auf einem Maskenball im Gürzenich auf und mischt sich unter die Jecken.

Goethe lobt den Kölner Karneval

Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt ist Goethe voll des Lobes für den Kölner Karneval des Jahres 1824. Seine Begeisterung zeigt, wie sehr ihn die gelungene Organisation und die feste Struktur des Festes beeindruckt hat.

Emanuel Ciolina Zanoli und der Ruf an Nees von Esenbeck

Unmittelbar nach diesem besonderen Ereignis ist es der „Held Carneval“ der Anfangsjahre, Emanuel Ciolina Zanoli, der den Professor für Botanik in Bonn, Nees von Esenbeck – einen regelmäßigen Besucher des Kölner Karnevals und in Goethe-Verbindungen stehend – im Jahre 1824 „dringend auffordert, die diesjährige Karnevalsliteratur, das Programm, die Lieder und Zettel dem berühmten Dichter zu übersenden und ihn zu bitten, den kölnischen Karneval öffentlich zu ehren.“

Weihen des Kölner Karnevals durch Goethe

Goethe kommt diesem Wunsch gerne nach und verleiht dem Kölner Karneval jene feierlichen Weihen, die er dem römischen Karneval bereits zugestanden hatte. Jahrzehnte zuvor hatte ihn das wilde, ungezügelte Treiben beim römischen Karneval eher abgeschreckt. Daher erscheint es nur stimmig, dass er nun beim Kölner Karneval die große Ordnung und die gelungene Festgestaltung in den Vordergrund stellt. In seiner kleinen Abhandlung aus dem Jahre 1824 mit dem Titel „Über Kunst und Alterthum“ vergleicht Goethe den Kölner Karneval sogar mit dem Kölner Dom, indem er betont, dass „jedes sich selbst gleich, sich in seinem Charakter organisch abschließt“. Er lobt den Humor, der als geistreich, frei, sinnig und gemäßigt empfunden wird, und hebt die Würde der zivilen sowie militärischen Behörden hervor, welche durch ihre ordnende Haltung dieses ganze exzentrische Unternehmen in einer außergewöhnlichen Mischung aus Wichtigkeit, Ernsthaftigkeit und Pracht möglich machten.

Goethes Dichtung als bleibendes Vermächtnis

Am 29. Januar 1825 verbindet Heinrich von Wittgenstein, der erste Präsident des festordnenden Comitées, seine Einladung an Goethe zum diesjährigen Karnevalsfest mit der Bitte, dem kölnischen Fest durch ein Lied „freundliche Spende“ zu verleihen – nicht nur um der Gegenwart einen strahlenderen Glanz zu schenken, sondern auch, um sein Gedächtnis für immer dem allverschlingenden Strom der Vergessenheit zu entreißen. Goethe erfüllt diesen Wunsch. Sein Gedicht „Der Kölner Mummenschanz“ wird daraufhin in der Generalversammlung vorgetragen und am 9. Februar in einem seltenen Extrablatt zusammen mit dem Antwortgedicht „An Goethe“ von Wilhelm Smets in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht. Wir haben es geschafft, einen Scan dieses außergewöhnlichen Extrablattes anzufertigen, der dieses bleibende Zeugnis einer besonderen Verbindung zwischen Goethe und dem Kölner Karneval dokumentiert.

Der Kölner Mummenschanz – Originalkopie

Historisches Extrablatt des Kölner Karnevals-Comités von 1825 mit dem Gedicht „Der Kölner Mummenschanz"
Rückseite des Extrablatts von 1825 mit dem Gedicht „Lied an Göthe"

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