Historische Aufnahme der Vringsveedeler Dschungelbrööder aus dem Jahr 1950 bei Karnevalsveranstaltung.
Mit vill Spaß un Freud nahm man zum ersten Mal als kleine Negergruppe am Straßenkarneval im Vringsveedel teil. Das damalige Erscheinungsbild – inspiriert von Sammelbildern sogenannter „afrikanischer Stämme“ – war aus damaliger Sicht ein Ausdruck karnevalistischer Überzeichnung, wie sie in den 1950er Jahren üblich war.
Aus dem spontanen Miteinander im Veedel heraus entschloss man sich noch im selben Jahr, 1950, zur Gründung eines Stammtisches.
In d’r Weetschaff, wo man sich regelmäßig traf, machte man sich Gedanken über einen passenden Namen. Da es alles Freunde aus dem Vringsveedel waren, war man sich über den ersten Teil schnell einig: „Vringsveedeler“.
Angeregt durch die erwähnten Sammelbilder und da ausschließlich „Käls“ zur Gruppe gehörten, war auch der zweite Teil des Namens bald gefunden: „Dschungelbrööder“.
So war der Name geboren:
Vringsveedeler Dschungelbrööder vun 1950
Durch das auffällige und fröhliche Auftreten im Veedel – und bald auch darüber hinaus – erregte die Gruppe viel Aufmerksamkeit und Begeisterung, sodass sie zahlreiche neue Mitglieder gewinnen konnte.
Anfangs bestand der Stammtisch nur aus Männern, doch bald wollten auch kölsche Mädcher mitmachen und „am schwarzen Treiben“ teilnehmen, wie man es damals augenzwinkernd nannte.
Ein neues Mitglied brachte einen Quetschenbüggel, ein anderes ein Trömmelche mit – damit wurde die Musik bunter.
Später kam noch eine erste decke Trumm hinzu. Ab da zogen sie mit Gesang und Live-Musik durch die Straßen.

1956 – Erster „Schull- und Veedelszoch“
1956 meldeten sich die Vringsveedeler erstmals für den „Schull- und Veedelszoch“ an. Damals noch im Aufbau, wurde er schnell zu einer festen Größe. Die Zuschauerresonanz war überwältigend, und so war klar: Nächstes Jahr simmer widder dabei!
Mit den jährlich wechselnden Mottos des Festkomitees konnten die Vringsveedeler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ein besonderes Highlight war 1960 unter dem Motto:
„Jedem Dierche sieh Pläsierche“,
mit dem Untertitel:
„Huh Diere kummen dran, klein Diere luuren en d’r Mond“.
Sie verwandelten einen Kleinwagen in eine Strohhütte, zogen damit einen Anhänger mit Bambusgatter, Tierfiguren und einer Palme mit Affe.
Ergebnis: 3. Platz – und dazu eine eigene decke Trumm als Preis.
Musik us eigener Hand
Bis dahin wurden die Vringsveedeler musikalisch von Gruppen wie die „vier Rabaue“ begleitet, doch 1960 wagten sie den nächsten Schritt:
Die Gründung einer vereinseigenen Musikgruppe.

Als Vorbild diente ein bekannter kölscher Spielmannszug, mit dem sie später eng befreundet waren. Mit viel Engagement kauften sich die Brööder Querflöten, Lyren, Trömmelcher und Becken, und es wurde zweimal pro Woche geprobt.
Tanzgruppe, Sitzungskarneval und Vereinsleben
Fast zeitgleich entstand eine Tanzgruppe – natürlich in Anlehnung an das traditionsreiche Erscheinungsbild. Das Kostüm des Häuptlings war schon da, es folgten ein Medizinmann und ein Feuerdämon.
Zwei Jahre später – 1962 – zogen sie auch in den Sitzungskarneval ein. Im selben Jahr waren sie Mitgründer der Interessengemeinschaft „Dienstagszoch us d’r Südstadt“.
1965 ließen sie ihre lang ersehnte Vereinsstandarte anfertigen: Quadratisch, diagonal in blau-rot geteilt, mit zwei stilisierten „Negerköpp“ auf weißem Kreis in der Mitte – das stolze Erkennungszeichen über viele Jahre hinweg.
Erfolge auf Kölner Bühnen
Die Musik- und Tanzgruppe wurde bald auch von anderen Karnevalsgesellschaften geschätzt – mit Auftritten in den Satory-Sälen, im Gürzenich, dem Börsensaal u.v.m.
Ein besonderes Erlebnis war 1967: Zum ersten Mal zogen die Vringsveedeler – vorneweg der Spielmannszug – durch die „Lachende Kölner Sporthalle“. Das Publikum war begeistert. Seitdem war dieser Einmarsch über 30 Jahre lang fester Bestandteil der Session – zuletzt in der Lachenden Kölnarena.
Wettbewerbe und Rosenmontagszug
Die Vringsveedeler nahmen an mehreren Musik- und Tanzwettbewerben teil, u.a. bei der Prinzengarde Kendenich – und gewannen gleich beim ersten Mal den 1. Preis. Weitere Pokale und Urkunden folgten.
1969 wurden sie schließlich vom Festkomitee des Kölner Karnevals für den Rosenmontagszug engagiert – unter der Gruppe 13 „Negerküsse“ der KG Alt Köllen. Für die Gruppe ein Meilenstein.
Mehr als nur Fastelovend
Neben dem Karneval organisierten die Dschungelbrööder auch Sommerfeste für das Veedel – wie eine erste Sonnenwendfeier auf dem Platz am Vorgebirgstor.
Dort bauten sie ein ganzes „Negerdorf“ aus sieben Strohhütten, kreisförmig um einen Platz mit handgeschnitztem Totempfahl. Drei Tage karnevalistisches Programm unter freiem Himmel bei freiem Eintritt – kölscher Zusammenhalt pur.
Ein Kapitel Kölner Karnevalsgeschichte
Die Vringsveedeler Dschungelbrööder vun 1950 waren über Jahrzehnte fester Bestandteil des kölschen Fastelovends. Ihr kreatives Engagement, ihre Musik, ihre Auftritte – und ja, auch ihr damals typisches, heute aber kritisch betrachtetes Auftreten – sind Teil der kölschen Karnevalsgeschichte.
Heute erinnern wir uns mit einem Augenzwinkern und großem Respekt an eine Gruppe, die das Veedel, den Zoch und den Karneval mit Herz, Humor und Hingabe geprägt hat.