Hintergrund

Dreigestirn im Untergrund

Der Festausschuss untersagte 1940 alle Veranstaltungen. Was in Köln trotzdem geschah, als der Karneval offiziell nicht stattfinden durfte.

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Kölner Dreigestirn 1940 mit Jungfrau, Prinz und Bauer

1940: Der Zweite Weltkrieg hält Europa im eisernen Griff. Auch dem Kölner Karneval wird abrupt der Stecker gezogen. Eine trockene, aber unmissverständliche Mitteilung des Festausschusses, des heutigen Festkomitees, geht an alle Karnevalsgesellschaften der Stadt:

„Nun aber, da Deutschland den Kampf um seine Existenz führt, hat alles zu unterbleiben, was in normalen Zeiten zur Freude und zum Vergnügen des Volkes … organisiert wird.“

Fastelovend fällt aus. Offiziell. Doch nicht alle fügten sich. Ein kleiner Kreis entschied sich, trotzdem zu feiern.

Heimlich jeck in Kriegszeiten

Ein kleiner Kreis von Prinzengardisten widersetzt sich der Tristesse – und dem Verbot. Heimlich inthronisieren sie ein inoffizielles Dreigestirn. Prinz, Bauer und – zum dritten Mal in Folge – eine echte Frau als Jungfrau.

  • Prinz: Peter Beu, Prinzen-Gardist
  • Bauer: Christian Massong
  • Jungfrau: Elfriede Figge, 19 Jahre jung und mutig – eine Frau, die ihre Rolle ernst nahm, obwohl sie in dieser Position damals eine Ausnahmeerscheinung war.

Am Karnevalssonntag, dem 4. Februar 1940, geschieht das Unerhörte: Auf der Kegelbahn des Lokals „Charlott Cherie“ in der Brückenstraße treffen sich jene Jecken, die nicht an der Front sind, zu einer improvisierten Feier. Kein Zug, keine Uniformen, kein Tusch – und doch herrscht für einen Abend das närrische Dreigestirn über eine kleine Schar Unerschrockener.

Kolorierte historische Aufnahme des improvisierten Kölner Dreigestirns vom 4. Februar 1940 mit weiteren Feiernden
Die ganze Mannschaft auf der Kegelbahn 1940

Zwischen Trotz und Tradition

Die Geschichte des inoffiziellen Dreigestirns ist mehr als eine Anekdote, aber sie ist auch keine Widerstandsgeschichte. Wer sich an diesem Abend auf der Kegelbahn traf, wandte sich nicht gegen das Regime, sondern gegen den Verzicht auf das eigene Fest. In einer Diktatur war schon das nicht ohne Risiko – und es blieb ein privater Abend ohne Folgen.

Nach dem Krieg kehrt der offizielle Karneval erst 1949 mit dem Rosenmontagszug zurück. Die Tradition wird wieder aufgenommen, das Dreigestirn wieder rein männlich besetzt – aber der eine Abend von 1940 bleibt im kollektiven Gedächtnis der kölschen Seele.

Was bleibt

Der Abend von 1940 ist überliefert, weil er die Ausnahme war. Dokumentierte Fälle offener Verweigerung sind aus dem Kölner Karneval dieser Jahre kaum bekannt; die einzige nachweisbare Satire auf das Regime stammte nicht von Karnevalisten, sondern von Mitgliedern der verbotenen KPD. Der organisierte Karneval hatte sich bis dahin längst arrangiert. Vor diesem Hintergrund ist die Kegelbahn in der Brückenstraße eine kleine, eigensinnige Geschichte – und keine Gegengeschichte.

Kölle Alaaf – sogar im Untergrund.

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